ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2002Psychiatrie: Fortbildung für Nicht-Forensiker notwendig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Forensisch-psychiatrische Ambulanzen sind notwendig für Spezialfälle, aber keine Lösung für die routinemäßige, flächendeckende und störungsspezifische Versorgung aller psychisch kranken Straftäter.
Ich arbeite schwerpunktmäßig mit Suchtpatienten, viele sind vorbestraft, zum Teil mit mehr als zehn Jahren Haft. Die nächstgelegenen forensischen Kliniken sind 50 und 80 km entfernt. Sollen die Patienten (ohne Führerschein!) nach Entlassung am Ort der forensischen Klinik wohnen bleiben?
Notwendig sind aber strukturierte Fortbildungsangebote für Nicht-Forensiker. Der von der Justiz geforderte Qualifikationsnachweis Forensische Psychiatrie sollte als Kursangebot berufsbegleitend und damit für jeden interessierten Psychiater – auch einen bereits niedergelassenen – erwerbbar sein (analog der „Suchtmedizinischen Grundversorgung“). Kontraproduktiv wäre die von den Forensikern vorgeschlagene Einführung des Schwerpunktes (Teilgebietes) Forensische Psychiatrie. Kaum ein Facharzt würde nochmals zwei Jahre als Assistent arbeiten.
Nicht nachvollziehbar ist auch Prof. Kröbers Äußerung, das therapeutische Verfahren sei „sekundär“. In den letzten Jahren konnte sehr gut die störungsspezifische Wirksamkeit therapeutischer Verfahren belegt werden. Gefährlich wäre zum Beispiel die Behandlung eines alkoholkranken Täters ohne die Beherrschung kognitiv-verhaltenstherapeutischer Rückfallprophylaxe-Techniken.
Dr. Holger Schmidt-Endres
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige