ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2002Therapieerfolg: Prognose oft falsch

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Therapieerfolg: Prognose oft falsch

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LNSLNS Für die Methodenauswahl und das Vorgehen in einer Therapie ist oft entscheidend, wie ein Therapeut die Therapiesituation wahrnimmt und welche Entwicklung er prognostiziert. Hat er beispielsweise den Eindruck, dass eine Therapie gegenwärtig und zukünftig positiv verläuft, wird er kaum die Methoden und Ziele grundlegend ändern. Andernfalls müsste er einen Wechsel im therapeutischen Vorgehen erwägen. Wenn er sich jedoch irrt, werden eventuell unnötige Veränderungen vorgenommen und Erfolg versprechende Methoden aufgegeben. Das Urteilsvermögen des Therapeuten ist daher sehr wichtig. Doch scheint es damit nicht weit her zu sein. „Die Erfolgseinschätzungen und Prognosen von Therapeuten treffen nicht zu“, behaupten die Autoren. Sie ließen 15 Therapeuten nach ausgewählten Therapiesitzungen Angaben darüber machen, wie sie die Therapiefortschritte beurteilten. Außerdem wurden sie dazu befragt, wie sie die Beziehung zum Patienten beurteilten und ob sie Kontrolle über das Therapiegeschehen hätten. Am Abschluss des Untersuchungszeitraums bewerteten die Therapeuten die Symptome der Patienten und den Therapieerfolg. An der Studie nahmen auch 60 Patienten teil. Die meisten litten unter Angst- und Panikstörungen und wurden von den Therapeuten mit kognitiv-verhaltenstherapeutischen Verfahren behandelt. Sie beschrieben ebenfalls ihre Symptome. Die Autoren stellten fest: Die Erfolgseinschätzungen nach den Therapiestunden und die Fortschrittsprognosen stimmten nicht mit dem Therapieerfolg überein. Die Therapeuten verließen sich weitgehend auf ihr subjektives Urteil. Das machten sie jedoch vor allem an der Beziehung zum Klienten fest. Die Autoren raten, sich an objektiven Daten auszurichten. ms

Meyer F, Schulte D: Zur Validität der Beurteilung des Therapieerfolgs durch Therapeuten. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 2002; 31: 53-61.

Prof. Dr. Dietmar Schulte, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Psychologie, Postfach 10 21 48, 44780 Bochum, E-Mail: schulte@kli.psy.ruhr-uni-bochum.de
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