ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2002Psychotherapie-Honorare: Den Ball haben die Kassen

EDITORIAL

Psychotherapie-Honorare: Den Ball haben die Kassen

PP 1, Ausgabe Juli 2002, Seite 289

Bühring, Petra

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LNSLNS Es bewegt sich etwas: Verschiedene Initiativen unterstützen zurzeit die Psychotherapeuten im Kampf für eine bessere Vergütung ihrer Leistungen. Dass Psychotherapeuten bei hoher Arbeitsbelastung kein angemessenes Einkommen erzielen, hatte Ende Mai die vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (ZI) vorgelegte Praxiskostenstrukturanalyse bestätigt (siehe Nachricht in PP6/2002).
Zunächst wäre da die Beanstandung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) am Beschluss des Bewertungsausschusses von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Krankenkassen. Sie beruht auf dem Einsatz von Horst Schmidbauer, MdB und Gesundheitsexperte der SPD. Der aufgrund vielfältiger Kritik und gerichtlicher Auseineindersetzungen nachgebesserte Beschluss vom 16. Februar 2000 tritt am 1. Juli in Kraft. Eine wesentliche Verbesserung ist damit aber nicht verbunden. Der Beschluss ist eine Berechnungsgrundlage für die Punktwerte psychotherapeutischer Leistungen. Das aufsichtsführende BMG erwartet Aufklärung in der Frage, wie es zur Ermittlung der Praxiskosten in Höhe von 28 100 Euro kam. Weiter soll beantwortet werden, warum zur Berechnung des Soll-Ertrags nur die budgetierten Fachärzte und nicht auch die nicht-budgetierten Fachgruppen herangezogen wurden und warum im Jahr 2000 ein fiktiver statt der Ist-Umsatz dieser Fachärzte zugrunde gelegt wurde. Der Bewertungsausschuss muss nun Daten liefern.
Eine weitere Initiative geht vom KBV-Honorardezernenten und stellvertretenden Hauptgeschäftsführer, Dr. med. Andreas Köhler, aus. Auch er sieht aufgrund der ZI-Studie Handlungsbedarf: In einem Brief fordert Köhler die Spitzenverbände der Krankenkassen auf, psychotherapeutische Leistungen außerhalb der pauschalierten Gesamtvergütung zu bezahlen, also zusätzliches Geld zur Verfügung zu stellen. Unabhängig vom Beschluss des Bewertungsausschusses, „muss das Problem von der Finanzierungsseite her gelöst werden“, sagt er. Die Fachärzte könnten eine, bei höheren Punktwerten für die Psychotherapie, zusätzliche Belastung ihres Topfes nicht verkraften. Die Kassen müssten anerkennen, fordert Köhler, dass die Zahl der Psychotherapeuten deutlich höher ist als zum Zeitpunkt des Psychotherapeutengesetzes. Der Brief an die Kassen sei vor rund vier Wochen abgeschickt worden. Bisher habe die KBV noch keine Antwort erhalten.
Köhlers Forderung nach einer extrabudgetären Vergütung mit festen Punktwerten entspricht einer weiteren Initiative kurz vor der Wahl: dem (erneut vorgelegten) Gesetzentwurf der FDP „zur Sicherung einer angemessenen Vergütung psychotherapeutischer Leistungen“ (siehe Nachricht in diesem Heft). Scheitern wird dieser Entwurf allerdings wahrscheinlich an der vorgeschlagenen Zuzahlungsregelung, die alle anderen Parteien und alle Psychotherapeutenverbände vehement ablehnen. Petra Bühring
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