ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2002Zukunftsaussichten: Nachwuchs fehlt

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Zukunftsaussichten: Nachwuchs fehlt

PP 1, Ausgabe Juli 2002, Seite 292

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LNSLNS Deutlicher Rückgang der Ausbildungskandidaten
Das Ausmaß an Gewalt in der Gesellschaft nimmt zu, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Dies zeigten zuletzt die Ereignisse in Erfurt. Auch die Diagnose ADHS (attention deficit hyperactivity syndrom) wird immer häufiger gestellt, eine Erkrankung, die nicht nur medikamentös behandelt werden sollte. „Während der Bedarf an qualifizierter Betreuung wächst, werden die Bedingungen, unter denen Psychotherapeuten arbeiten, immer schwieriger“, beklagte Ellen Bruckmeyer, Vertreterin der Landeskonferenz der Richtlinien-Psychotherapieverbände Bayern, bei einer Podiumsdiskussion in München. In den nächsten Jahren werde sich diese Situation weiter verschärfen, da viele Psychotherapeuten in den Ruhestand gingen. Gleichzeitig fehle der Nachwuchs, der die Ruheständler ersetzen könnte. An der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie in München, dem größten psychoanalytischen Lehrinstitut in Deutschland, sei die Zahl der Ausbildungskandidaten in den letzten vier Jahren um 75 Prozent zurückgegangen, berichtete Dr. med. Tobias von Geiso. Bundesweit sei die Situation nicht besser. Ausbildungskandidaten für den Beruf des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten zu finden sei noch schwieriger, so Peter Lehndorfer, Verband der Analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Am Alfred-Adler-Institut in München würden zurzeit nur drei Kandidaten ausgebildet. Die Gründe für das geringe Interesse an dem Beruf: Die, besonders für die drei- bis fünfjährige psychoanalytische Ausbildung hohen, Kosten müssen selber getragen werden. Der einjährige Ausbildungsanteil in der Psychiatrie muss unentgeltlich und vollzeit erbracht werden. Diese Hürde sei für viele an dem Beruf Interessierte zu hoch – vor allem angesichts der schlechten Einkommensaussichten.
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