ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2002Schizophrenie: Therapieziel Lebensqualität

WISSENSCHAFT

Schizophrenie: Therapieziel Lebensqualität

PP 1, Ausgabe August 2002, Seite 348

Hoc, Siegfried

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Subjektive Parameter gewinnen in der Behandlung von Schizophrenie-Patienten an Bedeutung.

Mit der SOHO-Studie (Schizophrenia Outpatient Health Outcomes) wird an rund 11 000 Patienten der Effekt einer antipsychotischen Therapie mit typischen Neuroleptika und atypischen Antipsychotika wie Olanzapin überprüft. Vor allem wird die Wirksamkeit auf Positiv-, Negativ- sowie depressive Symptomatik und kognitive Leistungen getestet. Zudem werden die Nebenwirkungen der Medikamente und die Lebensqualität von Patienten mit Schizophrenie analysiert. Die ersten Ergebnisse der noch bis Mitte 2004 laufenden Großstudie wurden auf dem SOHO-Interim-Symposium in Madrid vorgestellt. Auch subjektive Parameter wie soziale Integration und funktionelle Verbesserungen zur Beurteilung des Therapieerfolges werden in der Studie, an der mehr als 1 000 Psychiater aus zehn europäischen Ländern beteiligt sind, herangezogen.
Lebensqualität nimmt zu bei zusätzlicher Psychotherapie
Bisher wird immer noch die Effektivität und der Erfolg von verschiedenen psychiatrischen Behandlungsstrategien und -settings vor allem an psychopathologischen objektiven Parametern gemessen, wobei als Zielparameter die Minderung von Symptomen steht. Erst mit der Einführung atypischer Neuroleptika in die Therapie gewinnen die subjektiven Aspekte und die individuelle Gewichtung von Behandlungserfolgen an Bedeutung. Dies betrifft besonders Lebensqualität, Patientenzufriedenheit und verbesserte Patienten-Compliance sowie verbesserte Arzt-Patienten-Beziehung.
Die Lebensqualität bei Schizophrenie-Patienten wird von verschiedenen Faktoren bestimmt. Jüngere Patienten, Frauen, Verheiratete mit niedrigem Bildungsstand weisen eine höhere Lebensqualität auf, wenn man entsprechende Beurteilungsskalen verwendet. Diese Ergebnisse sind unabhängig von der psychopathologischen Einschätzung der Symptome des jeweiligen Patienten. Die Lebensqualität nimmt zu, wenn neben der medikamentösen Therapie eine psychotherapeutische Behandlung durchgeführt wird.
Effektivere Therapie bei atypischer Neuroleptika
Lebensqualität bei Schizophrenie-Patienten kann aber nur erhalten werden, wenn Rückfälle verhindert und stationäre Aufenthalte kurz gehalten werden. Diese Ziele können erst seit der Einführung der atypischen Antipsychotika realisiert werden, da diese aufgrund besserer Wirksamkeit und Verträglichkeit eine effektive Therapie bei Erhalt der Lebensqualität erlauben. Das ist die Voraussetzung für eine gute Patienten-Compliance, ein niedriges Chronifizierungsrisiko und somit für weniger und kürzere Hospitalisierungen.
Die noch häufig vernachlässigte psychosoziale Situation von Schizophrenie-Patienten ist ein weiterer Aspekt, der die Lebensqualität beeinflusst. Rund ein Drittel der SOHO-Teilnehmer in Europa waren zu Beginn der Anwendungsbeobachtung sozial inaktiv. Erst die Therapie verbesserte die Situation, und der Anteil der sozial inaktiven Patienten halbierte sich von initial 33 Prozent auf schließlich 17 Prozent.
Die heute verfügbaren Therapieoptionen ermöglichen, dass Lebensqualität in Zukunft das wichtigste Zielkriterium für die Schizophrenie-Behandlung sein kann und muss. Das war die einstimmige Meinung aller Referenten und Teilnehmer am SOHO-Interim-Symposium. Siegfried Hoc
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