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Im Interview: KBVVorsitzender Richter- Reichhelm Foto: KV Berlin
Im Interview: KBVVorsitzender Richter- Reichhelm Foto: KV Berlin
DÄ: Politische Stimmen haben in jüngster Zeit die Entmachtung oder gar die Abschaffung der KVen gefordert. Warum glauben Sie, dass man sich mit einer Werbekampagne erfolgreich dagegen wehren kann?
Richter-Reichhelm: Im ersten Schritt wollen wir einen hohen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung schaffen. Das gelingt nur mit starken werblichen Elementen. Im nächsten Schritt können wir dann leichter politische Botschaften transportieren. Es ist einfach, die Abschaffung der KVen zu fordern, wenn man genau weiß, der Bürger kennt sie nicht. Wenn der Bürger aber weiß, dass wir dafür sorgen, dass er den Arzt seines Vertrauens direkt in der Nähe hat, wird er solchen populistischen Forderungen eine Abfuhr erteilen.

DÄ: Die Kampagne ist werbestrategisch sicherlich gut gemacht. Aber warum sollten sich die Bürger für eine Institution (die KVen) interessieren, mit der sie rein gar nichts zu tun haben?
Richter-Reichhelm: Unmittelbar hat der Bürger mit den KVen nichts zu tun. Das ist sicherlich richtig. Hier ist die Frage angebracht: Wofür stehen wir? Die KVen stehen für eine flächendeckende, wohnortnahe, qualitativ hochwertige ärztliche Versorgung – und das rund um die Uhr. Doch das weiß niemand. Und diesen Nebel des Nichtwissens wollen wir lichten. Zumal die jüngsten Umfragen beweisen, dass die Bürger eher bereit sind, höhere Beiträge zu zahlen, als auf die vertrauensvolle Arztwahl zu verzichten.

DÄ: Man könnte Ihnen vorwerfen, dass die Anzeigenmotive über ihre unverkennbare Erotik wirken. Das passt nicht zum Arzt-Patient-Verhältnis. Schadet das nicht eher dem Image der Ärzteschaft?
Richter-Reichhelm: Die Motive sind ästhetisch und wirken emotional. Sie stehen für Schutz und Vertrauen. Körper und Pflaster führen automatisch zum Hingucken. Wir überfrachten den Betrachter nicht mit Botschaften. Das Gesundheitswesen in seiner Komplexität nimmt er kaum wahr. Er kennt auch die Akteure nicht. Gerade einmal sieben Prozent der Bürger konnten in einer Umfrage das Kürzel KV korrekt auflösen und die KVen als ärztliche Interessenvertretung identifizieren. Hier liegt also noch viel Arbeit vor uns.

DÄ: Die Kampagne kostet in der ersten Phase 2,1 Millionen Euro. Kassenärzte, die über sinkende Honorare klagen, könnten das für recht viel halten. Die Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin übrigens auch.
Richter-Reichhelm: Wir sind der festen Überzeugung, dass das Geld gut angelegt ist. Umgerechnet sind dies übrigens 15 Euro je Kassenarzt oder Psychotherapeut. Da die Kampagne nicht politisch angelegt ist, kann dagegen auch die Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin keine Einwände haben. Im Gegenteil: Es müsste auch in ihrem Sinne sein, wenn sich die Akteure im Gesundheitswesen dem Bürger gegenüber öffnen und sich transparenter zeigen.
DÄ-Fragen: Heike Korzilius
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