ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2002Deutscher Frauenrat: Frauen sind anders krank als Männer

POLITIK

Deutscher Frauenrat: Frauen sind anders krank als Männer

PP 1, Ausgabe August 2002, Seite 356

Gerst, Thomas

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LNSLNS Für eine geschlechtergerechte Gesundheitspolitik und -versorgung setzt sich der Deutsche Frauenrat, die Bundesvereinigung von 52 Frauenverbänden und -organisationen, ein. Der Tatsache, dass Frauen anders krank sind als Männer, werde in der Gesundheitsversorgung immer noch zu wenig Rechnung getragen, betonte die stellvertretende Vorsitzende des Frauenrats, Dr. med. Ursula Hansen. Der Gender-Ansatz, das heißt die grundsätzliche Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede, müsse in allen Bereichen der Medizin über die klassische Frauenheilkunde hinaus Eingang finden.
Dies reiche von der geschlechtsspezifischen Anamneseerhebung, Diagnosestellung und Therapie bis hin zu einer entsprechend veränderten medizinischen Ausbildung und Ausrichtung der Forschung. Hansen verwies darauf, dass Frauen sich auch in der Wahrnehmung von Gesundheit und Krankheit sowie in der Inanspruchnahme von gesundheitlichen Versorgungsleistungen von Männern unterscheiden. Als Beispiel nannte sie die unterschiedliche Symptomatik beim Herzinfarkt. Weil Frauen nicht die „klassischen“ männlichen Symptome aufwiesen, werde bei ihnen ein Infarkt oft zu spät erkannt.
Damit diese unterschiedlichen Ansätze ausreichend berücksichtigt werden, ist es für Dr. med. Ursula Sottong vom Deutschen Ärztinnenbund unabdingbar, dass die entscheidenden Positionen in Forschung und Lehre geschlechtergerecht besetzt werden. Sie fordert deshalb, Instrumente zur Förderung von Frauen in Führungs- und Leitungspositionen (Quorum, Bundesgremienbesetzungsgesetz, Checklisten) verpflichtend in der Medizin zu etablieren. Es liege im Interesse aller, auch im Interesse der Männer, den Frauen den Weg in die Chefetagen zu ebnen, um so eine geschlechtsdifferenzierte und vielleicht auch menschengerechtere Medizin zu etablieren. Thomas Gerst
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