ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2002Ärztekammer Westfalen-Lippe: Mehr misstrauische Patienten

POLITIK

Ärztekammer Westfalen-Lippe: Mehr misstrauische Patienten

PP 1, Ausgabe August 2002, Seite 358

Flintrop, Jens

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Die Gutachterkommission für ärztliche Haftpflichtfragen
muss immer häufiger tätig werden – auch, weil vielen Klinikärzten die Zeit für ein klärendes Gespräch fehlt.

Mit 1 452 Anträgen zur Überprüfung ärztlicher Behandlungen auf etwaige Fehler verzeichnete die Gutachterkommission der Ärztekammer Westfalen-Lippe im Jahr 2001 einen Andrang wie nie zuvor (Grafik). Johannes Pfeiffer, Vorsitzender der Kommission, führte diese Entwicklung unter anderem auf die steigende Arbeitsbelastung in den Krankenhäusern zurück: „Wenn die Ärztinnen und Ärzte weniger Zeit für ein klärendes Gespräch am Krankenbett haben, steigt der Misstrauenspegel bei den Patienten.“ Missverständnisse könnten dann nicht geklärt werden, verdeutlichte Ärztekammerpräsident Dr. med. Ingo Flenker im Vorfeld der Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen der Gutachterkommission am 26. Juni in Münster.
Häufungen als Lackmus-Test
Im Jahr 2001 fertigte die Kommission 1 131 gutachterliche Bescheide an, in denen 268 ärztliche Behandlungsfehler festgestellt wurden. Das entspricht einer Quote von 23,7 Prozent. Markante Veränderungen dieser Quote waren in den letzten Jahren nicht zu beobachten. Vergleiche zu anderen Ärztekammern seien wegen der unterschiedlichen Verfahren schwierig, sagte Pfeiffer. Von Behandlungsvorwürfen betroffen seien insbesondere jene ärztlichen Fachrichtungen, die in Diagnostik und Therapie am stärksten in den menschlichen Körper eingreifen. Rund 60 Prozent aller gutachterlichen Bescheide bezögen sich auf die Fachrichtungen Chirurgie, Gynäkologie und Orthopädie. Besonders gefordert werde die Kommission, wenn sich in bestimmten Bereichen Beanstandungen der Patienten häuften, betonte Pfeiffer. Als Beispiele nannte er Schwierigkeiten bei minimalinvasiven Eingriffen – unbeabsichtigte Durchtrennungen des Hauptgallengangs oder der Harnleiter –, Mängel im geburtshilflichen Management und postoperative Infektionen. Es sei dann Aufgabe der Kommission, die Probleme, die über den Einzelfall hinausgehen, bei der Ärztekammer zu melden. Die Auswertung der Gutachten zeige, in welchen Bereichen die ärztliche Fortbildung intensiviert werden müsse, unterstrich Flenker: „Die Gutachten sind ein wichtiger Lackmus-Test für uns.“
Der Präsident wertete die Arbeit der Gutachter (derzeit 635) als „sehr erfolgreich“. In mehr als 80 Prozent der Fälle könne eine außergerichtliche Klärung erreicht werden. Zwar bleibe das Recht der Parteien, eine gerichtliche Klage anzustreben, von der Entscheidung unberührt, aber nur in 15 Prozent der Fälle eines negativen Bescheids würden die Ansprüche weiter verfolgt. Jens Flintrop
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