ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2002Internet-Recherche: Suizidprophylaxe

WISSENSCHAFT

Internet-Recherche: Suizidprophylaxe

Eichenberg, Christiane

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LNSLNS Der Beitrag gibt einen Überblick über Websites zum Thema Suizid und Krisenintervention für Fachkräfte, Betroffene und deren Angehörige.
Zwar nimmt die Suizidrate in Deutschland seit Mitte der 80er- Jahre tendenziell ab (Fiedler, 2001; WHO, 1999), doch aktuelle Daten zeigen nach wie vor den großen Bedarf an Suizidprophylaxe und -prävention: Im Jahr 2000 starben in Deutschland 11 100 Personen durch Suizid (8 100 Männer, 3 000 Frauen). Bei 1,3 Prozent aller Todesfälle handelte es sich um Suizid (Angaben: Statistisches Bundesamt) (1). Das Verhältnis der Suizidrate von Frauen zu Männern liegt bei 1 : 2,7. Die Suizidraten variieren nicht nur nach Geschlecht, sondern auch nach Alter. Die Rate steigt mit dem Lebensalter: Bei jungen Menschen ist sie vergleichsweise niedrig, wohingegen sie besonders bei Männern ab dem 60. Lebensjahr erheblich ansteigt. Beinahe jede zweite Frau, die einen Suizid begeht, ist älter als 60 Jahre. Die offiziellen Angaben über Suizide unterschätzen allerdings die tatsächliche Zahl. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Unter den Todesarten Verkehrsunfälle, Drogen und den unklaren Todesursachen wird noch ein erheblicher Anteil nicht erkannter Suizide
Websites zum Thema Suizid: http://www.suizidprophylaxe.de; http://members.aol.com/suicidepsy/home.html; http://www.neuhland.de/jugend/html/texte/kd_in.htm
Websites zum Thema Suizid: http://www.suizidprophylaxe.de; http://members.aol.com/suicidepsy/home.html; http://www.neuhland.de/jugend/html/texte/kd_in.htm
vermutet (Fiedler, 2001).
Im Gegensatz zu Suiziden werden Suizidversuche aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erfasst. Angaben über die Häufigkeit basieren daher auf Schätzungen aus wissenschaftlichen Studien. Im Vergleich zu den Suiziden gibt es erhebliche Unterschiede. So unternehmen Frauen wesentlich öfter als Männer einen Suizidversuch (2), ebenso mehr junge als alte Menschen.
Internet-Ressourcen liefern für Fachkreise, die beruflich mit suizidalen Personen in Kontakt kommen (Ärzte, Psychologen, Seelsorger, Sozialpädagogen, Pflegepersonal und andere), vielfältige Informationen. Darüber hinaus finden Suizidgefährdete und ihre Angehörigen Hilfsangebote im Netz.
Informationen für Personen, die sich in Forschung, Lehre oder Praxis mit Suizidprävention als Hilfe in Lebenskrisen befassen, bietet beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) auf ihrer Homepage an (3). Die DGS sieht ihre wesentlichen Aufgaben in der Förderung von Forschung, Fortbildung und Praxis auf diesem Gebiet sowie in der – auch internationalen – Vernetzung von Erfahrungen und in einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit. Interessierte Berufsgruppen finden hier zusätzlich zu einem Tagungskalender und einer Liste weiterführender Fachliteratur die Leitlinien der DGS für Krisenintervention und Suizidprävention. Darüber hinaus werden wissenschaftliche Aufsätze zu Themen wie „Empfehlungen zur Diagnostik und zum Umgang mit Suizidalität in der stationären psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung“ und „Krisenintervention für Suizidpatienten am Allgemeinkrankenhaus“ angeboten.
Das Therapiezentrum für Suizidgefährdete (TZS) der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, ist eine Einrichtung für die ambulante Behandlung suizidaler Patienten, für Forschung und Lehre auf diesem Gebiet sowie für Psychotherapie (4). Auf der Website werden Informationen zur Suizidalität angeboten, wie zum Beispiel wissenschaftliche Beiträge zum Thema „Entwicklung der Theorien suizidalen Erlebens und Verhaltens im deutschen Sprachraum“, epidemiologische Daten zu Suiziden und Suizidversuchen und eine Informationsbroschüre für Menschen, die sich suizidal erleben. Darüber hinaus gibt es Hinweise zu Fachzeitschriften, unter anderem zu „Crisis – The Journal of Crisis Intervention and Suicide Prevention“ (5), das von der International Association for Suicide Prevention (IASP) (6) herausgegeben wird.
Kooperation und Kommunikation
Eine weitere Anlaufstelle im Netz ist das European Network for Suicidology (7), dessen Webauftritt vom TZS gepflegt wird und das darauf abzielt, die Kooperation und Kommunikation unter Personen, die sich professionell mit suizidalem Verhalten beschäftigen, zu verbessern. Interessierte Berufsgruppen erhalten hier nicht nur Hinweise zur Mitgliedschaft, sondern finden eine Adressenliste von nationalen und internationalen Organisationen und Vereinigungen, die sich mit der Erforschung und Prävention von Suizidalität befassen.
Für die Gruppe von Pflegepersonal, zu deren Aufgabe die Betreuung suizidaler Personen gehört, eignet sich die Lektüre von zwei im Internet abrufbaren Aufsätzen: „Pflegestandard zur Pflege suizidaler Patienten“ (8) und „Hilferufe – oder: Wie gehe ich als Pflegepersonal mit Suizidäußerungen von Patienten um?“ (9).
Neben Web-Seiten, die vorwiegend berufsbezogene Inhalte bereitstellen, gibt es auch solche, die sich sowohl an Fachkreise als auch an Betroffene richten. Im deutschsprachigen Raum ist hier an erster Stelle die Web-Präsenz von Wolfram Dorrmann, Bamberg, Buchautor des Titels „Suizid. Therapeutische Interventionen bei Selbsttötungsabsichten“ (1998), zu nennen (10). Unter der Überschrift „Zum Problem Suizidprophylaxe“ finden Psychotherapeuten beispielsweise Hinweise zu „therapeutisch günstigen Grundeinstellungen für die Krisenintervention bei suizidalen Patienten“. Suizidgefährdeten Menschen kann die „Einführung und Informationen für Menschen in Krisen“ weiterhelfen, unter anderem mit Hinweisen zu Selbsthilfegruppen, Krisendiensten, Schuldnerberatungsstellen, Selbsthilfebüchern und Internet-Links.
Die American Association of Suicidology (11) ist eine gemeinnützige Organisation, die sich für das Verstehen und die Prävention von Suizidalität einsetzt. Die assoziierte Website ist für jene, die mit suizidalem Verhalten und Erleben in Berührung kommen: Wissenschaftler, Therapeuten, Überlebende und Menschen in Krisen. So finden sich auch Informationen für unterschiedliche Zielgruppen, etwa „Resources for Clinicians Who Have Lost a Patient to Suicide“, „Helpful Sites About Teen Suicide“, „Suicide of Older Men and Women“. Die Bevölkerung über psychosoziale Gründe von Suizidalität aufklären, will die Homepage der amerikanischen Organisation Suicide Awareness/Voices of Education (12): Hier sind häufig aktuelle Informationen und Hilfen für Suizidale oder deren Angehörige abrufbar.
Ein weiteres Online-Angebot stellt neuhland (13), Berlin, bereit, eine Kombination aus psychotherapeutisch orientierter Beratungsstelle und Krisenunterkunft. Kinder und Jugendliche bis 25 Jahre, die nicht mehr weiter wissen und daran denken, sich das Leben zu nehmen, können sich an diesen Krisendienst wenden. Auch für Angehörige ist das Beratungsangebot offen. Das Besondere dabei: In Notfällen können Jugendliche vorübergehend in einer Krisenwohnung aufgenommen werden. Dieses Betreuungsangebot ist in Deutschland einmalig. Fachkreise können sich auf der neuhland-Website über das Konzept informieren und Angebote zu Fortbildungen abrufen. Lehrer erhalten Hinweise zur Suizidprävention in der Schule und einen Leitfaden für ein Lehrer-Schüler-Gespräch. Jugendlichen wird das Krisenangebot in einem gesonderten „Jugendforum“ vorgestellt. Zudem gibt es eine Liste überregionaler Hilfsdienste, die Betroffenen und Angehörigen in suizidalen Krisen eine Anlaufstelle vor Ort bieten. Christiane Eichenberg
Kontaktadresse: Dipl.-Psych. Christiane
Eichenberg, Universität zu Köln,
E-Mail: christiane@rz-online.de,
Homepage: www.christianeeichenberg.de


Literatur
Dorrmann W: Suizid. Therapeutische Interventionen bei Selbsttötungsabsichten (3. korr. Auflage). München: Pfeiffer-Verlag 1998.
Fiedler G: Suizide, Suizidversuche und Suizidalität. Daten und Fakten. 2001. Online: www.uke.uni-hamburg.de/Clinics/Psych/TZS/online-text/daten-fakten-rev_2-2.pdf
WHO. Highlights on Health in Germany. Copenhagen: WHO Regional Office for Europe 1999. Online: www.euro.who.int/document/E65505.pdf
1. Statistisches Bundesamt: Todesursachen in Deutschland (Jahr 2000) P www.destatis.de/presse/deutsch/pm2001/p3840092.htm
2. Presseinformation der Universität Köln: Frauen versuchen es öfter, sind dennoch weniger selbstmordgefährdet als Männer P www.uni-koeln.de/pi/i/2001.187.htm
3. Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention P www.suizidprophylaxe.de
4. Therapiezentrum für Suizidgefährdete (TZS) P www.uke.uni-hamburg.de/Clinics/Psych/TZS/TZS_d.html
5. Crisis – The Journal of Crisis Intervention and Suicide Prevention P www.hhpub.com/journals/crisis/1997/ed-v18i1.html
6. International Association for Suicide Prevention (IASP) P www.who.int/inango/ngo/ngo027.htm
7. European Network for Suicidology P www.uke.uni-hamburg.de/ens
8. Aufsatz: „Pflegestandard zur Pflege suizidaler Patienten“ P http://w3.pflegenet.com/isfp/praxis/psychpfl/pflsuizidpat.html
9. Aufsatz: „Hilferufe – oder: Wie gehe ich als Pflegepersonal mit Suizidäußerungen von Patienten um?“ P http://w3.pflegenet.com/isfp/praxis/konzepte/hilferufe.html
10. Homepage von Dr. phil. Wolfram Dorrmann P http://members.aol.com/suicidepsy/home.html
11. American Association of Suicidology P www.suicidology.org
12. Suicide Awareness/Voices of Education P www.save.org
13. neuhland P www.neuhland.de
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