ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2002Italien: Antiker Zaubergarten

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Italien: Antiker Zaubergarten

PP 1, Ausgabe August 2002, Seite 370

Marx, Catrin

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Perfekte Harmonie zwischen Kunst und Natur in
einem der schönsten Renaissancegärten Europas

Meterhohe Buchsbaum- und Hainbuchenhekken bilden das größte und älteste Labyrinth der westlichen Welt, das nur ein Element des Renaissance-gartens in der Nähe von Padua ist. Märchenhaft ist auch die Entstehungsgeschichte des Gartens: Als Anfang des
17. Jahrhunderts die Pest in Venedig wütete, waren die Jagdbesitztümer Valsanzibio Zufluchtsort der adligen venezianischen Familie Barbarigo. Aus Dankbarkeit für die Errettung vor der Pest legte sie diesen Garten an. Die 150 000 qm große Anlage umfasst 800 Bäume mit 126 verschiedenen Arten, 60 000 Quadratmeter kunstvoll zugeschnittenes Buchsbaumspalier, 70 Statuen aus weißem Marmor, vier Fischteiche, 16 Brunnen, die Kanincheninsel, das Monument der geflügelten Zeit sowie das Labyrinth.
Symbolträchtiger Weg
Die Elemente sind nicht willkürlich, sondern in Episoden angelegt, deren Aufbau und Ästhetik die Absicht birgt, das Motiv für die Errichtung dieser kunstvollen Anlage zu erkennen, eine Insel der Rettung. Die Anlage wurde konzipiert und verwirklicht, um den Weg zu symbolisieren, der den Menschen zu seiner Erlösung führt. Der Weg beginnt beim Monumentaleingang, wo einst Boote anlegten, die durch das Fischtal von Sankt Eusebius kamen (SanZibio steht für Sankt Eusebius), das sich damals noch über die ganze Ebene erstreckte. Die Boote brachten die Adligen aus Venedig zum Landsitz. Heute ist nur noch der Teich erhalten, in dem sich der elegante Bau widerspiegelt. Er ist mit Brunnen, Tiefenreliefs und Statuen ausgeschmückt. Über alles herrscht Diana, die Göttin der Natur und der wilden Tiere. Nachdem man durch den Silen-Bogen den Garten betreten hat, geht man entlang dem Dianabad, dem Irisbrunnen und dem Fischteich der Winde – dann das Labyrinth. Es symbolisiert den oftmals langen und beschwerlichen Weg des Menschen auf der Suche nach Erkenntnis. Hat man das Zentrum des Labyrinths gefunden, bietet sich nach Besteigung des Turms ein fantastischer Anblick über die Anlage.
Nachdem man den „Pila“- Brunnen erreicht hat, gelangt man an der Hainbuchenallee vorbei an die Kanincheninsel. Das Kaninchengehege gilt als Symbol der Immanenz. Kein Lebewesen kann die Grenzen von Raum und Zeit überschreiten. Jenseits der Allee und der Insel symmetrisch gegenübergestellt, steht eine monumentale Statue, die die Zeit darstellt. Sie hat ihren Flug durch den Raum unterbrochen und symbolisiert die Transzendenz, diesen einmaligen Zustand, der dem Menschen erlaubt, über die gewöhnlichen Schranken von Raum und Zeit zu schweben. Man setzt den Weg zwischen Immanenz und Transzendenz und zwischen den Statuen und den Brunnen fort, die auch sinnbildlich die Insel und die Zeit einrahmen. So werden die Stufen mit den Panthertieren erreicht, die die Verse von Dante ins Gedächtnis rufen. Die Inschrift eines Sonetts verziert die Stufen und erklärt auf verschiedenen Ebenen die Bedeutungen des Gartens. Der Besucher befindet sich vor dem weiten Platz vor der Villa, wo die acht Allegorien der Tugenden des Herrn und des Gartens den Brunnen der Offenbarung umgeben. An diesem Ort wird das Ziel des symbolischen Weges erreicht.
Am Monumentaleingang (oben) legten früher die Boote aus Venedig an. Der Brunnen der Offenbarung (unten) ist nur ein Beispiel für die zahlreichen Wasseranlagen. Fotos: Giardino Barbarigo-Pizzoni Ardemani
Am Monumentaleingang (oben) legten früher die Boote aus Venedig an. Der Brunnen der Offenbarung (unten) ist nur ein Beispiel für die zahlreichen Wasseranlagen. Fotos: Giardino Barbarigo-Pizzoni Ardemani
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In der Villa lebt der heutige Besitzer der Anlage, der Adlige Giardino Barbarigo-Pizzoni Ardemani. Er hat kürzlich die 33 Wasseranlagen des Gartens wiederhergestellt, die in den letzten 80 Jahren infolge eines zunehmenden Versiegens der Quellen gefährdet waren. Besitzer seit drei Generationen haben den Garten, der während der militärischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg große Schäden erlitten hat, restauriert. Valsanzibio ist ein seltenes Beispiel für einen lesbaren symbolischen Garten, einen funktionierenden großartigen Wassergarten. Valsanzibio ist ein Ort der Ruhe und Beschaulichkeit, ein Ort, an dem Natur und Kunst aufeinander abgestimmt sind. Catrin Marx

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