ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2002Mitteilungen: Änderung der Richtlinien über künstliche Befruchtung

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Mitteilungen: Änderung der Richtlinien über künstliche Befruchtung

PP 1, Ausgabe August 2002, Seite 371

Kassenärztliche Bundesvereinigung

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LNSLNS Änderung der Richtlinien über künstliche Befruchtung
Aufnahme der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI)
in die Maßnahmen für künstliche Befruchtung

Infolge der BSG-Rechtsprechung vom 3. April 2001 waren die Richtlinien über künstliche Befruchtung des Bundes­aus­schusses der Ärzte und Krankenkassen neu – hinsichtlich der Aufnahme der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) in den Leistungskatalog der GKV – zu beraten.
Während der Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen 1997 die Methode ICSI aus den Maßnahmen für die künstliche Befruchtung – aufgrund der Sorge um ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko der Kinder – als Leistung der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung ausgeschlossen hatte, hat es das Bundessozialgericht in seinem vorgenannten Urteil in das Ermessen des Ehepaares gestellt, ob es eine möglicherweise erhöhte Fehlbildungsrate bei einem durch ICSI gezeugten Kind in Kauf nehmen will.
Dies ist eine Ausnahmeregelung, die die Anwendung der sonst üblichen Kriterien hinsichtlich der Bewertung auf Notwendigkeit, Nützlichkeit und Wirtschaftlichkeit für die Entscheidungen des Bundes­aus­schusses der Ärzte und Krankenkassen unter dem Aspekt der Kinderwunschbehandlung entsprechend § 27 a SGB V relativiert.
Das Bundessozialgerichtsurteil vom 3. April 2001 führte somit zu einer Beweislastumkehr hinsichtlich der erheblichen Gefährdung durch die Methode ICSI.
Bei der Umsetzung der Richtlinienänderung bildeten die Beratungen und die Diskussion um die Fehlbildungsraten bei Kindern, die nach einer mittels ICSI eingeleiteten Schwangerschaft entstanden sind, den größten inhaltlichen Anteil.
Die Thematik zur Beratung der Intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) bei der andrologischen Indikation wurde im Deutschen Ärzteblatt und im Bundesanzeiger ausgeschrieben, und die Expertenmeinungen sowie die Sachverständigenanhörungen fanden Eingang in die Beratungen.
Zusätzlich fanden Anhörungen von Sachverständigen zu den Fragen der Qualitätssicherung und im Weiteren zum Thema der aktuellen Studienergebnisse hinsichtlich der Fehlbildungsprävalenz nach ICSI statt.
Insbesondere zur Fehlbildungsprävalenz fand sich eine widersprüchliche Studiensituation, in der das erhöhte Auftreten von Fehlbildungen nach ICSI zwar nicht sicher nachgewiesen, aber auch nicht sicher ausgeschlossen werden kann.
Da das Fehlbildungsrisiko auf der Basis differenter Studienergebnisse nicht abschließend beurteilt werden kann, wird die weitere Beobachtung der Fehlbildungsrate in prospektiven Untersuchungen für erforderlich gehalten.
In Verfolgung der BSG-Rechtsprechung wurde die Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) Bestandteil der Maßnahmen über künstliche Befruchtung (siehe Nr. 8 und Nr. 10.5 der Richtlinien) – unter dem Vorbehalt der weiteren Überprüfung des Beschlusses in einem Zeitraum von drei Jahren, anhand der Evaluation der Methoden der künstlichen Befruchtung.
Entsprechend der gesetzlichen Vorgabe in § 27 a SGB V Abs. 1 Satz 2 besteht eine hinreichende Erfolgsaussicht zur Herstellung einer Schwangerschaft für Methoden der künstlichen Befruchtung in der Regel nicht mehr, wenn die Maßnahme viermal ohne Erfolg durchgeführt worden ist.
Die ICSI kann – analog zur IVF – in maximal vier Versuchen erbracht werden. Eine hinreichende Erfolgsaussicht ist – wie auch bei der IVF – dann nicht mehr gegeben, wenn nach zwei Versuchen keine Befruchtung eingetreten ist.
Unter der Nr. 16 der Richtlinie wurde dem besonderen Umstand der Aufklärung der Eltern über die Risiken der Methode Rechnung getragen und deshalb festgelegt, dass der durchführende Arzt eine entsprechende Aufklärung über spezielle, auch genetische Risiken und mögliche Fehlbildungen durchzuführen hat.
Andrologische Kenntnisse bei der Beratung zur ICSI sollen insbesondere dem Aspekt der männlichen Fertilitätsstörung gerecht werden.
Kassenärztliche Bundesvereinigung
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