ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2002Mitteilungen: Neuaufnahme der Podologischen Therapie in die Heilmittel-Richtlinien

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Mitteilungen: Neuaufnahme der Podologischen Therapie in die Heilmittel-Richtlinien

PP 1, Ausgabe August 2002, Seite 380

Aubke, Wolfgang

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LNSLNS Die Podologische Therapie ist ab dem
1. August 2002 Bestandteil der Heilmittel-Richtlinien, nachdem der Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen in seinen Sitzungen am 26. Februar und 21. Juni 2002 beschlossen hat, die Richtlinien über die Verordnung von Heilmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung (Heilmittel-Richtlinien) in der Fassung vom 16. Oktober 2000/6. Februar 2001 (BAnz Nr. 118 a vom 29. Juni 2001) zu ändern (siehe auch fol-
gende „Bekanntmachung“ in dieser Ausgabe).
Damit steht dem Vertragsarzt neben der Physikalischen Therapie, der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie sowie der Ergotherapie eine neue vierte Therapieform für die Versorgung seiner Patienten mit Heilmitteln zur Verfügung.
Mit dem Urteil des Bundessozialgerichts vom November 1999 (B 2 KR 9/97) wurde der Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen verpflichtet zu überprüfen, ob und gegebenenfalls bei welchen Indikationen die zum damaligen Zeitpunkt noch als „Medizinische Fußpflege“ bezeichnete Methode zulasten der Gesetzlichen Krankenversiche-rung verordnungsfähig ist.
Die Podologische Therapie wurde vom Bundes­aus­schuss für die Indikation des „Diabetischen Fußsyndroms“ bewertet. Entsprechend wurde nach Anhörung der anhörungsberechtigten Organisationen auf Bundesebene der Richtlinientext sowie der Heilmittelkatalog um die Podologische Therapie ergänzt.
Zeitlich parallel wurde das Podologengesetz (PodG) parlamentarisch beraten und schließlich zum 1. Januar 2002 in Kraft gesetzt. Auf der Grundlage dieses Gesetzes und der um die Podologische Therapie zu erweiternden Heilmittel-Richtlinien haben die Spitzenverbände der Krankenkassen die Zulassungsempfehlungen nach § 124 Abs. 4 SGB V (Wer darf zukünftig die Podologische Therapie unter welchen Voraussetzungen abgeben?) erarbeitet und am 15. April 2002 in Kraft gesetzt.
Die erforderlichen Rahmenempfehlungen über die einheitliche Versorgung mit Heilmitteln nach § 125 SGB V (In welcher Form darf das Heilmittel über welche Zeit abgegeben werden?) werden derzeit zwischen den Spitzenverbänden der Krankenkassen und den Leistungserbringerverbänden erarbeitet. Auf dieser Grundlage ist sicherzustellen, dass zeitgleich zur Inkraftsetzung der Richtlinien entsprechende Leistungsbeschreibungen für die Erbringung durch den zugelassenen Podologen (Leistungserbringer) vorliegt.

Zwei neue Heilmittel der Podologischen Therapie sind verordnungsfähig:
1.: das Heilmittel „Hornhautabtragung“
2.: das Heilmittel „Nagelbearbeitung“

Diese Heilmittel beziehen sich ausschließlich auf die Behandlung krankhafter Veränderungen am Fuß infolge Diabetes mellitus. Sie können nur dann verordnet werden, wenn es sich im Rahmen des diabetischen Fußsyndroms um Schädigungen der Haut und der Zehennägel bei nachgewiesenen Gefühls- und/oder Durchblutungsstörungen der Füße handelt. Eine Verordnung dieser Heilmittel darf auch nur dann ausgestellt werden, wenn ohne diese Behandlung unumkehrbare Folgeschäden an den Füßen, wie Entzündungen und Wundheilungsstörungen, drohen. Die Heilmittel der Podologischen Therapie dürfen nur dann vom Leistungserbringer (Podologen/Podologin) erbracht werden, wenn dessen Ausbildung und Praxisausstattung den gemeinsamen Zulassungsempfehlungen zwischen Spitzenverbänden der Krankenkassen und Leistungserbringern von Heilmitteln entspricht (§ 124 SGB V).

Vor jeder Erstverordnung ist eine Eingangsdiagnostik durchzuführen. Diese bezieht sich insbesondere auf die Abklärung einer Neuropathie und/oder Angiopathie im Rahmen des diabetischen Fußsyndroms. Verordnungen können nur im Stadium Wagner 0 erfolgen.
Die Behandlung von Hautdefekten und Entzündungen im Bereich Wagner Stadium 1 bis Wagner Stadium 5 sowie eingewachsene Zehennägel sind grundsätzlich ärztliche Leistungen und stellen daher keine Indikation zur Verordnung von Maßnahmen der Podologischen Therapie dar.

Die Maßnahmen der Podologischen Therapie sind, wie die Maßnahmen der Physikalischen Therapie, auf Muster 13 zu verordnen. Wie auch hier ist anzukreuzen, ob es sich um eine Erst-, eine erste Folge-, eine zweite Folge- oder eine Langfristverordnung handelt, wobei jede Folge- oder Langfristverordnung eine Erhebung des aktuellen Fußbefundes voraussetzt. Auf den Eintrag unter „Behandlungsbeginn spätestens am“ ist besonderer Wert zu legen, da hier in den wenigsten Fällen mit dem Behandlungsbeginn bis zu zehn Tagen gewartet werden darf. Anzugeben sind ferner: die Diagnose + Leitsymptomatik, das Heilmittel (die Hornhautabtragung und/oder die Nagelbearbeitung) sowie die Verordnungsmenge und die empfohlene Therapiefrequenz. Besondere Befundergebnisse vor Verordnung einer Folge- oder Langfristverordnung können zusätzlich zur Diagnose + Leitsymptomatik in den dafür vorgesehenen Zeilen angegeben werden.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung begrüßt ausdrücklich die Aufnahme der Podologischen Therapie in den Katalog der von Vertragsärzten verordnungsfähigen Heilmittel. Insbesondere vor dem Hintergrund der flächendeckenden Einführung der Disease-Management-Programme zur Behandlung von Diabetes mellitus ist die Möglichkeit der Verordnung von Podologischer Therapie ein notwendiger Behandlungsbaustein.
Die Finanzierung der Aufnahme dieser neuen Leistungen in den GKV-Leistungskatalog wurde zwischen den Spitzenverbänden der Krankenkassen und der KBV im Rahmen der Vereinbarung von Rahmenvorgaben nach § 84 Abs. 7 SGB V für die Inhalte der Heilmittel-Vereinbarungen auf der Landesebene geregelt. Für das zweite Halbjahr 2002 wurden für die Finanzierung der Podologie 0,5%-Punkte p. a. als Ausgabenzuwachs auf der Grundlage der Heilmittelausgaben 2000 berücksichtigt. Dies entspricht einem Betrag von 136 Millionen Euro. Dr. med. Wolfgang Aubke
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