ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2002Bekanntmachungen: Änderung der Heilmittel-Richtlinien

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Bekanntmachungen: Änderung der Heilmittel-Richtlinien

PP 1, Ausgabe August 2002, Seite 381

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LNSLNS Der Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen hat in seiner Sitzung am 26. Februar 2002/21. Juni 2002 beschlossen, die Richtlinien über die Verordnung von Heilmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung (Heilmittel-Richtlinien) in der Fassung vom 16. Oktober 2000/6. Februar 2001 (BAnz. Nr. 118 a vom 29. Juni 2001) wie folgt
zu ändern:
Erster Teil – Richtlinientext
In der Gliederung erhält die Ziffer III folgende Untergliederung:
„III.
A Maßnahmen der Physikalischen Therapie
B Maßnahmen der Podologischen Therapie“
II. Grundsätze der Heilmittelverordnung
Die Ziffer 6.1 wird untergliedert in
„6.1.
A die einzelnen Maßnahmen der Physikalischen Therapie (Nummer 17.A.1 bis 17.A.8)
B die einzelnen Maßnahmen der Podologischen Therapie (Nummer 17.B.3.1 bis 17.B.3.2)“
Der Überschrift III. Maßnahmen der Physikalischen Therapie wird der Buchstabe „A“ zugeordnet.
III. A Maßnahmen der Physikalischen Therapie
Der Nummer 17 wird der Buchstabe „A“ zugeordnet.
Die Nummer 17.1 Massagetherapie wird umbenannt in „17.A.1 Massagetherapie“.
Die Nummer 17.2 Bewegungstherapie wird umbenannt in „17.A.2 Bewegungstherapie“.
Die Untergliederungen der Nummer „17.A.2 Bewegungstherapie“ erhalten folgende Nennungen:
„17.A.2.1 Übungsbehandlung
17.A.2.2 Chirogymnastik *)
17.A.2.3 Allgemeine Krankengymnastik (KG)
17.A.2.4 Gerätegestützte Krankengymnastik (KG-„Gerät“*))
17.A.2.5 Krankengymnastik nach BOBATH *) oder VOJTA *) (Neuromuskuläre Fazilitation)
17.A.2.6 Krankengymnastik nach BOBATH *), VOJTA *) oder PNF *) (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation)
17.A.2.7 Manuelle Therapie *)“
Die Nummer 17.3 Traktionsbehandlung wird umbenannt in „17.A.3 Traktionsbehandlung“.
Die Nummer 17.4 Elektrotherapie wird umbenannt in „17.A.4 Elektrotherapie“.
Die Nummer 17.5 Kohlensäurebäder wird umbenannt in „17.A.5 Kohlensäurebäder“.
Die Nummer 17.6 Inhalationstherapie wird umbenannt in „17.A.6 Inhalationstherapie“.
Die Nummer 17.7 Thermotherapie wird umbenannt in „17.A.7 Thermotherapie“.
Die Nummer 17.8 Standardisierte Kombinationen von Maßnahmen der Physikalischen Therapie („Standardisierte Heilmittelkombinationen“) wird umbenannt in „17.A.8 Standardisierte Kombinationen von Maßnahmen der Physikalischen Therapie („Standardisierte Heilmittelkombinationen“)“.
In dem sich auf die Nummer „17.A.8“ anschließenden Abschnitt werden die Wörter „in Nummern 17.1–17.7“ ersetzt durch „in Nummern 17.A.1–17.A.7“.
Nach dem letzten Absatz des Kapitels III. A Maßnahmen der Physikalischen Therapie wird der folgende Abschnitt angefügt.
„B Maßnahmen der Podologischen Therapie
17. B.1 Maßnahmen der Podologischen Therapie sind verordnungsfähige Heilmittel, wenn sie der Behandlung krankhafter Veränderungen am Fuß infolge Diabetes mellitus (diabetisches Fußsyndrom) dienen. Hierzu zählen Schädigungen der Haut und der Zehennägel bei nachweisbaren Gefühls- und/oder Durchblutungsstörungen der Füße (Makro-, Mikroangiopathie, Neuropathie, Angioneuropathie).
Die Podologische Therapie kommt nur in Betracht bei Patienten, die ohne diese Behandlung unumkehrbare Folgeschädigungen der Füße, wie Entzündungen und Wundheilungsstörungen, erleiden würden.
Ziel der Podologischen Therapie ist die Wiederherstellung, Verbesserung und Erhaltung der physiologischen Funktion von Haut und Zehennägeln an den Füßen bei diabetischem Fußsyndrom.
Die Podologische Therapie umfasst das verletzungsfreie Abtragen beziehungsweise Entfernen von krankhaften Hornhautverdickungen, das Schneiden, Schleifen und Fräsen von krankhaft verdickten Zehennägeln sowie die Behandlung von Zehennägeln mit Tendenz zum Einwachsen.
Zur Podologischen Therapie gehört auch die regelmäßige Unterweisung in der sachgerechten eigenständigen Durchführung der Fuß-, Haut- und Nagelpflege sowie die Vermittlung von Verhaltensmaßregeln, um Fußverletzungen und Folgeschäden zu vermeiden.
Bei jeder Behandlung ist die Inspektion des getragenen Schuhwerks erforderlich. Bei Auffälligkeiten sind im Rahmen der Mitteilung an den verordnenden Arzt gegebenenfalls Hinweise zur orthopädietechnischen Versorgung (zum Beispiel Einlagen, orthopädische Schuhzurichtungen) zu geben.
Die Maßnahmen der Podologischen Therapie dürfen nicht verordnet werden, wenn keine krankhaften Schädigungen der Füße infolge Diabetes mellitus vorliegen.

17.B.2 Ärztliche Diagnostik bei Fußschädigungen durch Diabetes mellitus (diabetisches Fußsyndrom)
Vor der Erstverordnung einer Podologischen Therapie ist eine Eingangs-diagnostik notwendig. Bei der Eingangsdiagnostik sind störungsbildabhängig die im Folgenden aufgelisteten Maßnahmen durchzuführen, zu veranlassen oder zeitnah erhobene Fremdbefunde heranzuziehen:
– Angiologischer Befund
Als Hinweis auf das Vorliegen einer Angiopathie kann gelten
- ein ABI (Ancle Brachial Index) < 0,9
– Neurologischer Befund
Als Hinweis auf das Vorliegen einer Neuropathie können pathologische Befunde gelten, erhoben mit zum Beispiel
- dem Semmes-Weinstein Monofilament 5.07
- der 128 Hz-Stimmgabel
- dem pathologischen Reflexstatus (im Besonderen PSR und ASR) sowie
- der trockene Fuß als vegetatives Zeichen
– Dermatologischer Befund

– Muskulo-skeletaler Befund des Fußes
- Feststellung von Deformitäten gegebenenfalls als erstes Zeichen einer motorischen Neuropathie

17.B.3 Die Verordnung der Podologischen Therapie beim diabetischen Fußsyndrom ist nur zulässig bei vorliegender Neuro- und/oder Angiopathie ohne Hautdefekt (Wagner-Stadium 0, das heißt ohne Hautulkus). Die Behandlung von Hautdefekten und Entzündungen (Wagner-Stadium 1 bis Wagner-Stadium 5) sowie von eingewachsenen Zehennägeln ist ärztliche Leistung.
Die Podologische Therapie als verordnungsfähiges Heilmittel umfasst folgende Maßnahmen

17.B.3.1 Hornhautabtragung
Die Abtragung der verdickten Hornhaut dient der Vermeidung von drohen-den Hautschädigungen wie Fissuren, Ulzera und Entzündungen durch spezifische Techniken der Schälung und des Schleifens der Haut unter Schonung der Keimschicht.

17.B.3.2 Nagelbearbeitung
Die Nagelbearbeitung dient der verletzungsfreien Beseitigung abnormer Nagelbildungen zur Vermeidung von drohenden Schäden an Nagelbett und Nagelwall durch spezifische Techniken wie Schneiden, Schleifen und/oder Fräsen.

17.B.4 Jede Folge- oder Langfristverordnung der Podologischen Therapie setzt die erneute störungsbildabhängige Erhebung des aktuellen Fußbefundes voraus. Das Befundergebnis ist auf dem Verordnungsvordruck anzugeben.“

In der Nummer 22 werden im ersten Satz nach den Wörtern „Heilmittel der ,standardisierten Heilmittelkombinationen,‘“ die Wörter „der Podologischen Therapie“ eingefügt.
In der Nummer 23 werden die Wörter „nach den Nummern 17, 18 und 20“ durch „nach den Nummern 17.A, 17.B, 18 und 20“ ersetzt.
In der Nummer 24, letzter Spiegelstrich, werden nach den Wörtern „in der Physikalischen Therapie,“ die Wörter „Podologischen Therapie,“ eingefügt.
Im zweiten Teil der Richtlinien „Zuordnung der Heilmittel zu Indikationen“ wird der Überschrift I. Maßnahmen der Physikalischen Therapie der Buchstabe „A“ zugeordnet:
I.A Maßnahmen der Physikalischen Therapie
Nach dem Heilmittelkatalog für Physikalische Therapie wird der nachfolgende Heilmittelkatalog für Podologische Therapie eingefügt:
„B Maßnahmen der Podologischen
Therapie
1 Diabetisches Fußsyndrom

Verzeichnis der gebräuchlichen Abkürzungen im Heilmittelkatalog für Podologische Therapie
Erst-VO = Erstverordnung
Folge-VO = Folgeverordnung
Langfrist-VO = Langfristverordnung
/VO = pro Verordnung

´Tabelle
Maßnahmen der Podologischen Therapie
1. Diabetisches Fußsyndrom
Indikation Heilmittelverordnung im Regelfall
Leitsymptomatik: Verordnungsmengen
Diagnose Schädigung, A. Heilmittel je Diagnose
Funktionsstörung weitere Hinweise
Diabetisches Fußsyndrom 1. schmerzlose und Vermeidung von drohenden A. Hornhaut- Erst-VO: bis 3x/VO
schmerzhafte Hyper- Hautschädigungen wie abtragung 1. Folge-VO: bis zu 3x/VO
mit Neuropathie und/oder keratose – Fissuren 2. Folge-VO: bis zu 3x/VO
Angiopathie – Ulzera und Langfrist-VO: ja, bis zu 6x/VO
– im Stadium Wagner 0 – Entzündungen
zum Beispiel 2. Pathologisches Vermeidung von drohenden A. Nagelbearbeitung Frequenzempfehlung:
– abgeheiltes Plantar- Nagelwachstum Nagelwall- und Nagelbett- alle 4 bis 8 Wochen
Ulcus – Verdickung schädigungen wie
– Tendenz zum – Verletzungen und Bei allen Maßnahmen erfolgen
Einwachsen – Entzündungen Instruktionen zur individuell
durchführbaren Haut- und Fuß-
pflege sowie Inspektionen des
Schuhwerks
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