ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1996Neue Testverfahren für CJD und BSE: Der praktische Nutzen ist begrenzt

SPEKTRUM: Akut

Neue Testverfahren für CJD und BSE: Der praktische Nutzen ist begrenzt

Koch, Klaus

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LNSLNS An der Konzentration bestimmter Proteine in der cerebrospinalen Flüssigkeit läßt sich sowohl bei Verdachtsfällen des Creutzfeldt-Jakob-Syndroms (CJD) als auch möglicherweise der Bovinen Spongiformen Encephalopathie (BSE) eine recht sichere Diagnose stellen. Forscher der Universität Hamburg und Göttingen beschreiben, daß ein elektrophoretisches Nachweisverfahren der Proteine "p130/131", die bei der für die "Schwammhirnkrankheiten" typischen Gehirnschädigung in den Liquor freigesetzt werden, eine zu 80 Prozent zuverlässige Diagnose erlaubt (Lancet 348, S. 846, 1996). Gleichzeitig berichten amerikanische Forscher bereits über eine Nachfolgemethode dieses Tests. Die Gruppe fand heraus, daß "p130/131" Bruchstücke eines weiteren Proteins mit der Bezeichnung "14-3-3" sind. Ihnen gelang die Entwicklung eines einfachen ImmunTests, bei dem die Konzentration des "14-3-3"-Proteins im Liquor durch die Zugabe von Antikörpern gemessen werden kann.


Nach ihrem Bericht ist diese Testvariante nicht nur wesentlich einfacher handhabbar, sondern bei symptomatischen CJD-Fällen sogar zu 96 Prozent zuverlässig (N. Engl. J. Med. 335, S. 924, 1996). In ersten Experimenten erkannte der Test auch sechs von neun BSE-infizierten Rindern, fünf von sechs Scrapieinfizierten Schafen und alle 15 mit einem BSE-ähnlichen Erreger infizierten Schimpansen. Dennoch ist der praktische Nutzen dieser Tests beschränkt. Bislang ist der Einsatz nur bei symptomatischen Fällen erprobt. Weil die Proteine auch bei anderen Hirnschädigungen (Virusinfektionen, Schlaganfall) freigesetzt werden, erhalten die Testverfahren ihre Aussagekraft erst durch die Verbindung mit typischen Symptomen der Schwammhirnkrankheiten.


Hoffnungen, daß der einfachere "14-3-3"-Test ein Screening der britischen Rinderbestände auf BSE-Infektion erlaubt und das umstrittene Schlachtprogramm auf tatsächlich BSE-infizierte Rinder beschränken könnte, erscheinen deshalb als verfrüht. Zumal bislang eine entscheidende Voraussetzung ungeklärt ist: Steigt die Konzentration des "14-3-3" im Liquor noch vor dem Ausbrechen erster Symptome an? "Wenn die Tiere Zeichen der Krankheit zeigen", sagt Prof. Otto Christian Straub, Präsident der Landestierärztekammer BadenWürttemberg, "braucht man einen Test nicht mehr." Hinzu kommt, daß die nötige Liquorentnahme unter sterilen Bedingungen bei einer Rinderherde problematisch ist. Im Einzelfall sei der Test ein "Lichtblick", urteilt Prof. Eckart Körner, Direktor des Tiergesundheitsamtes der Landwirtschaftskammer Rheinland, "für eine Routinediagnostik beim Rind kommt solch eine CSF-Entnahme aber kaum in Frage". Klaus Koch

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