ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2002Die Seele. Natur- und Kulturgeschichte von Psyche, Geist und Bewusstsein

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Die Seele. Natur- und Kulturgeschichte von Psyche, Geist und Bewusstsein

PP 1, Ausgabe September 2002, Seite 386

Hinterhuber, Hartmann

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Philosophie
Reflexion zur „Seele“
Hartmann Hinterhuber: Die Seele. Natur- und Kulturgeschichte von Psyche, Geist und Bewusstsein. Springer-Verlag, Wien, New York, 2001, XII, 242 Seiten, 37 Abbildungen, broschiert, 29,80 A
Der Bogen, den der Autor schlägt, ist weit gespannt. Die Reise des Autors durch die lange Begriffsgeschichte der „Seele“ beginnt mit den Seelenvorstellungen in der Vorzeit und in den schriftlosen Kulturen und endet im Reich der Neurotransmitter. Es überrascht nicht, dass der Autor am Ende dieser Reise feststellt: „,Seele‘ ist heute eine Metapher von verwirrender Vielfalt.“ Wer könnte ihm bei seiner pessimistischen, aber auch pragmatischen Feststellung nicht zustimmen: „Die gesicherten Kenntnisse im Bereich der Geist-Gehirn-Problematik gleichen – trotz der vielen Detailinformationen – auch heute einer Insel im Ozean des Unwissens. ,Seele‘ ist heute ein belasteter und verwundbarer Begriff, der aber nach wie vor eine große faszinierende Ausstrahlung besitzt.“
Die philosophischen Vorstellungen der Griechen von Homer bis zu Plotin werden treffend, aber manchmal sehr zusammenfassend dargestellt – es fehlt beispielsweise Parmenides, der den Begriff des Geistes entscheidend prägte. Allerdings ist das bei einem Buch mit limitiertem Umfang, das die gesamte Zeitspanne der Kulturgeschichte darzustellen versucht, nicht zu vermeiden, vor allem, wenn es neben dem Philosophischen auch das Religiöse, insbesondere die christliche und die islamische Mystik, berücksichtigt. Die Leib-Seele-Dualität von Descartes mündet in den neuen Namen für „die Seele“, in das „Selbst“, das „Ich“ und in die „Identität“, in der Grenzen aufhebenden und neue Grenzen stellenden Elektrophysiologie, Biochemie und Medizin der Seele.
Heute werde mit naturwissenschaftlichen Fakten, Hypothesen und Konstrukten die „Seele“ demontiert, ähnlich wie es in der Zeit der Aufklärung die philosophischen Argumente waren. Aber: „Der Begriff der Seele ist erkenntnistheoretisch nicht erklärbar. Wir können nur in Ehrfurcht vor diesem Phänomen stehen.“ Nicht nur der historische Fundus, den der Autor dem Leser großzügig anbietet, sondern auch die Reflektiertheit und Differenziertheit der Thesen und Argumente machen das Buch lesenswert. Andreas Marneros
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