ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1996Gesundheitsreform: Die „Bremser“

SPEKTRUM: Leserbriefe

Gesundheitsreform: Die „Bremser“

Walter, Beowulf

Gedanken zur gegenwärtigen gesundheitspolitischen Lage
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LNSLNS Wir, die Verantwortlichen für unsere Patienten in der Bundesrepublik Deutschland, haben allen Grund, empört zu sein . . . Die schon Legislaturperioden vorher erkennbaren Engpässe in der Finanzierung des deutschen Gesundheitswesens und besonders des Krankenhauses sind jahrelang aus opportunistischen Gründen übersehen worden. Als das Wegschauen für die Öffentlichkeit und die Politiker peinlich wurde, hat man sich von einer Kostendämpfungsmaßnahme zur anderen durchgemogelt und nur an den Symptomen herumkuriert. Als die Finanzierungskatastrophe vor der Tür stand, hat Herr Minister Seehofer zwangsweise die Vollbremsung vollzogen und durchaus vernünftige reformerische Vorschläge in die Planung eingebracht. Die Vollbremsung ist auf Dauer nicht stabilisiert worden, und die Reformvorschläge sind ausgebremst worden. Die "Bremser" sitzen im System und nennen sich Lobbyisten.
Die politisch Verantwortlichen blockieren sich gegenseitig und üben sich in Schuldzuweisungen. Die Parlamentarier, Vertreter der Krankenkassen, Ministerialbürokratie und Verbandsvertreter produzieren keine konstruktiven Ideen. Umsetzbare Maßnahmen zur Problemlösung sind nicht erkennbar. Die Ärzteschaft zerfleischt sich in Verteilungskämpfen und findet sich in der Öffentlichkeit in Korruptionsskandalen wieder . . .
Auf der anderen Seite versprechen die Parlamentarier dem Volk die Beitragsstabilität im Angesicht des sinkenden Bruttosozialproduktes. Unter diesen Bedingungen ist der finanzielle "crash" im Gesundheitswesen und speziell im Krankenhaus für unsere stationären Patienten vorprogrammiert. Er ist für die Insider langfristig erkennbar gewesen und jetzt auch für die Allgemeinheit deutlich sichtbar. Die Gefahr des wirtschaftlichen Zusammenbruchs im Krankenhaus nähert sich. Weil diese Gefahr in einem spitzen Winkel auf uns zukommt, können wir ihre Geschwindigkeit nicht abschätzen. Möglicherweise kommt diese Gefahr schneller, als wir glauben.
Dr. med. Beowulf Walter, Kliniken der Stadt Köln, Krankenhaus Holweide, Anästhesie-Abteilung, Neufelder Straße 32, 51067 Köln
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