ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2002Psychoanalyse: Schlaglicht auf deutsche Bildungskatastrophe

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Psychoanalyse: Schlaglicht auf deutsche Bildungskatastrophe

PP 1, Ausgabe September 2002, Seite 415

Willerding, Norbert

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LNSLNS Die „Gedanken zur Psychoanalyse“ werfen ein – an dieser Stelle unerwartetes – Schlaglicht auf das, was man „deutsche Bildungskatastrophe“ nennt, die sich zum Beispiel in der Überlegenheit der angelsächsischen Welt auf psychologischem oder physikalisch-technischem Gebiet äußert. So wie die Wirksamkeit der Medienwerbung nicht ohne die psychoanalytische Annahme unbewusster Vorgänge möglich wäre, ebenso sind ein Kernkraftwerk, ein Lasergerät oder ein Magnetresonanztomograph konkrete Ergebnisse der „herrschenden physikalischen Theorien des 20. Jahrhunderts“ – genauer gesagt, der Formeln Einsteins, Heisenbergs, Diracs, Bohrs et al. Das Zustandekommen der „man made reality“ bedurfte weder der Kantschen Vernunftkritik noch des Schopenhauerschen „Satzes vom zureichenden Grunde“, weder der Erkenntnistheorie noch irgendwelcher „Ur-Grundsätze“. 40 Jahre vor der Pisa-Studie hat der deutsche EDV-Ingenieur Steinbuch prophezeit, die sich als Tiefsinn und höhere Geistigkeit verstehende Hinterwelt deutscher Provenienz müsste uns ins Abseits führen, wenn es nicht gelingt, ihren Bildungsanspruch zu mäßigen. Vor diesem Hintergrund erscheint es als ein Treppenwitz der Kulturgeschichte, dass viele Protagonisten der Moderne aus Deutschland kamen.
Dr. med. Norbert Willerding, Burgblick 16, 97688 Bad Kissingen
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