ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2002Schizophrenie: Vorurteile auch bei Ärzten

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Schizophrenie: Vorurteile auch bei Ärzten

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Verein „open the doors“ koordiniert Anti-Stigma-Programm.

Vorurteile und Diskriminierung von schizophren Erkrankten sind immer noch weit verbreitet. Ein Forschungsprojekt im Rahmen des „Kompetenznetzes Schizophrenie“ untersuchte die Einstellungen der Bevölkerung in sechs deutschen Großstädten (Gaebel et al., 2002). 7 246 Personen wurden telefonisch befragt: Mehr als die Hälfte glaubt, dass Schizophrene nicht in der Lage seien, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Jeder Fünfte sieht in ihnen eine Gefahr für die Öffentlichkeit. 72 Prozent gaben an, dass sie keinen Schizophrenen heiraten würden; 22 Prozent können sich nicht vorstellen, mit ihnen eine Freundschaft fortzusetzen. Je weniger Kontakt die Befragten zu den Erkrankten haben, desto größer ist die soziale Distanz. Diese ist zudem deutlich altersabhängig: Die über 60-Jährigen zeigen eine höhere Distanz als Jüngere.
„Diskriminierung von psychisch Kranken ist auch bei Ärzten weit verbreitet“, betonte Prof. Dr. med. Wolfgang Gaebel, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Gaebel koordiniert mit dem Verein „open the doors e.V.“ die deutschen Aktivitäten des weltweiten Anti-Stigma-Programms „Schizophrenia –
open the doors“, durchgeführt von der World Psychiatric Organization. Die Beteiligten wollen durch Aufklärung und gezielte Interventionen der Diskriminierung psychisch kranker Menschen entgegenwirken. Eingebunden sind Projektzentren in Düsseldorf, München, Leipzig, Hamburg, Köln, Berlin und Essen. Ausgeweitet werden sollen die Interventionen in Form von Schulungen bald auch auf Ärzte, Medizinstudenten, Therapeuten und Pflegekräfte.
Informationen: „open the doors“ e.V. , Anja Baumann, Rheinische Kliniken Düsseldorf, Kliniken der Heinrich-Heine-Universität, Bergische Landstraße 2, 40629 Düsseldorf, Telefon: 02 11/9 22 27 77, E-Mail: baumanna@uni-dues seldorf.de, www.openthedoors. de
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