ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2002Weiter­bildungs­ordnung: Internisten in Sorge um die Inhalte ihres Fachs

POLITIK

Weiter­bildungs­ordnung: Internisten in Sorge um die Inhalte ihres Fachs

Dtsch Arztebl 2002; 99(41): A-2674 / B-2280 / C-2144

Maus, Josef

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LNSLNS Der Berufsverband und die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin fordern eine stärkere Berücksichtigung internistischer
Inhalte in der neuen Weiter­bildungs­ordnung für Hausärzte.

Berufspolitik ist nicht die Sache der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) – jedenfalls bisher nicht. Aber die Zeiten haben sich geändert. Der Beschluss des 105. Deutschen Ärztetages in Rostock, ein neues Fachgebiet für „Innere und Allgemeinmedizin“ zu schaffen, hatte zunächst nur den Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) alarmiert. Die ersten Vorschläge zur inhaltlichen Ausgestaltung des neuen Weiterbildungsganges für den künftigen Hausarzt rufen jetzt aber auch die wissenschaftlichen Vertreter des Fachs auf den Plan. Die gesamte Innere Medizin ist in großer Sorge um den Fortbestand ihrer Disziplin.
Der Entwurf der neuen Weiter­bildungs­ordnung sieht eine Weiterbildungszeit von insgesamt fünf Jahren für die angehenden Hausärzte vor. Drei Jahre sollen der Basisweiterbildung im Gebiet Innere Medizin und Allgemeinmedizin dienen, die restlichen zwei Jahre sollen in der ambulanten hausärztlichen Versorgung absolviert werden. Die Basisweiterbildung muss – nach derzeitigem Stand – zwei Jahre in der Inneren Medizin umfassen; ein weiteres Jahr kann in anderen Gebieten abgeleistet werden.
„Die internistischen Inhalte“, kritisierte BDI-Präsident Dr. med. Gerd Guido Hofmann, „können nie und nimmer in zwei Jahren erlernt werden. Bisher waren dafür sechs Jahre vorgesehen.“ Hofmann wie auch Prof. Dr. med. Klaus-Henning Usadel, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, zeigten sich vor Journalisten in Wiesbaden davon überzeugt, dass eine solche Weiterbildung das Niveau der allgemeinen internistischen Versorgung in unverantwortlicher Weise senken würde. Und das alles nur, um ein anderes Fachgebiet, nämlich das der Allgemeinmedizin, zu erhalten, wie BDI-Geschäftsführer Prof. Dr. med. Peter Knuth glaubt.
Die Weiterbildungsinhalte für einen Arzt in der hausärztlichen Versorgung müssten der Tatsache Rechnung tragen, dass der größte Teil der Patienten an einer oder mehreren internistischen Erkrankungen leide, argumentieren BDI und DGIM. Diese Erkrankungen bestimmten 80 Prozent des Arbeitsalltages eines Hausarztes. Internistische Weiterbildungsinhalte müssten daher auch den Löwenanteil ausmachen. Dies gelte umso mehr, als die Disease-Management-Programme hohe Qualifikationsanforderungen an die behandelnden Ärzte stellten – und drei von den bisher vier vorgesehenen Programmen internistische Erkrankungen beträfen.
Diskussion nicht nur auf die Niedergelassenen beschränken
Nach den ersten Gesprächen mit der zuständigen Weiterbildungskommission der Bundes­ärzte­kammer sahen die Internisten ihre Forderungen nicht erfüllt. Sie befürchten negative Folgen, die weit über die hausärztliche Versorgung hinausreichen. „Die Diskussion darf sich nicht nur auf die niedergelassenen Ärzte beschränken“, sagte Prof. Dr. med. Hans-Peter Schuster. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin verwies auf die Anforderungen der Krankenhäuser, in denen qualifiziert weitergebildete allgemeine Internisten gebraucht würden – nicht nur auf den Stationen, sondern auch in der Notaufnahme und der Ambulanz. „Dafür reicht es nicht“, meinte Schuster mit Blick auf den neuen Weiterbildungsgang für Hausärzte, in dem der bisherige „Allgemeininternist“ aufgehen soll.
Nach Auffassung von Schuster sollten die internistischen Inhalte des neuen Weiterbildungsganges in einem komplexen Block von vier Jahren Dauer angeboten werden. Dies würde den weiterbildungswilligen Ärztinnen und Ärzten auch bei der Stellensuche im Krankenhaus helfen. Zugunsten dieser Regelung könne – zumindest teilweise – auf die vorgesehenen zwei Jahre in der hausärztlichen Versorgung verzichtet werden. „Die Weiterbildung ist dazu da, Wissen zu erlernen, aber nicht, um zu lernen, wie man das Wissen anwenden kann“, sagte Hofmann.
BDI und DGIM wollen auf jeden Fall einen Arzttyp erhalten, „der befähigt ist, innere Krankheiten zu behandeln“. Der Hausarzt neuer Prägung könne dies nur, wenn in seiner Weiterbildung die Inhalte der inneren Medizin deutlich überwiegen.
Prof. Klaus-Henning Usadel zweifelt nicht an der Entschlossenheit seiner Kollegen, für die Erhaltung des Fachgebiets zu kämpfen: „In der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin herrscht derzeit eine Riesenaufregung – vor allem bei den jungen Ärztinnen und Ärzten. Die gesamte Innere Medizin wird auf die Straße gehen, wenn dies notwendig sein sollte.“ Verbündete für ihre Positionen sehen die Internisten sowohl bei den Krankenkassen als auch bei den Patienten, „die ja beide Qualität haben wollen“.
Die Gefahr einer offenen Konfrontation scheint inzwischen jedoch weniger wahrscheinlich. Nach einem neuerlichen Teffen aller beteiligten Verbände und Gesellschaften (in kleinerer Besetzung) unter der Leitung des Präsidenten der bayerischen Ärztekammer, Dr. med. Hellmut Koch, war Diskussionsbereitschaft zur erkennen – auf allen Seiten und auf der Grundlage der Rostocker Beschlüsse sowie der jeweiligen Entwürfe der Beteiligten. Die Bundes­ärzte­kammer ist zuversichtlich, dass es bis zum nächsten Ärztetag zu einem Konsens kommen wird, der allen Bedenken Rechnung trägt. Josef Maus
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