ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2002Arzneimittelspenden: Häufig ohne den gewünschten Erfolg

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Arzneimittelspenden: Häufig ohne den gewünschten Erfolg

Petersen, Albert; Hensel, Frank J.

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Die Bundesärztekammer hat an der Erstellung eines Faltblattes „Arzneimittel spenden? – Ein Ratgeber für Ärztinnen und Ärzte“ mitgewirkt. Zahlreiche Ärztekammern unterstützen in Kooperation mit dem DIFÄM durch Meldungen und Anzeigen in den Ärzteblättern,Website- Verlinkung, Faltblattbeilage oder E-Mail-Versand das wichtige Anliegen einer sachgerechten Arzneimittelversorgung in Not- und Katastrophengebieten.
Die Bundes­ärzte­kammer hat an der Erstellung eines Faltblattes „Arzneimittel spenden? – Ein Ratgeber für Ärztinnen und Ärzte“ mitgewirkt. Zahlreiche Ärztekammern unterstützen in Kooperation mit dem DIFÄM durch Meldungen und Anzeigen in den Ärzteblättern,Website- Verlinkung, Faltblattbeilage oder E-Mail-Versand das wichtige Anliegen einer sachgerechten Arzneimittelversorgung in Not- und Katastrophengebieten.
Das Faltblatt „Arzneimittel spenden? – Ein Ratgeber für Ärztinnen und Ärzte“ soll Fehlversorgungen verhindern.

Die Notlage zahlreicher Länder durch Naturkatastrophen, Bürgerkriege und dramatische Unterversorgung wird uns über die Medien täglich vor Augen geführt. Fällt dann der ärztliche Blick auf Schränke und Regale voller ungenutzter Ärztemuster, drängt sich der Gedanke auf, diese Arzneimittel zu spenden. Die gespendeten Arzneimittel sind aber leider oftmals nicht am Bedarf des Empfängerlandes orientiert oder Packungsgrößen, Beschriftungen und Hinweise beziehungsweise Anleitungen sind vor Ort nicht brauchbar. So konnte es leicht passieren, dass in Bosnien-Herzegowina 17 000 Tonnen Arzneimittelspenden nicht verwendbar waren. Deren ordnungsgemäße Entsorgung kostete etwa 34 Millionen US-Dollar! Im Kosovo entsprachen rund 50 Prozent der vor allem durch kleinere Organisationen vermittelten Arzneimittel nicht dem Bedarf, in Ostafrika erhielten 53 Prozent der Empfänger laut einer Umfrage nicht das, was benötigt wurde. Arzneimittelspenden haben daher leider nicht immer den gewünschten Erfolg.
In Situationen der Not und Unterversorgung ist die Konzentration auf wesentliche und im Umgang gut bekannte Arzneimittel notwendig. Aber welche Arzneimittel werden denn nun vor Ort wirklich gebraucht? Die Antwort findet sich in der Liste der Unentbehrlichen Arzneimittel, die ein international besetztes Expertenteam im Auftrag der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) entwickelte. Bereits am 21. Oktober 1977 wurde die erste Essential Drug List, bestehend aus 200 wirksamen Arzneistoffen, veröffentlicht, womit über 90 Prozent der medikamentös behandelbaren Krankheiten abgedeckt werden können. Das Prinzip:
- Eine beschränkte Zahl sorgfältig ausgewählter Arzneistoffe führt zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung, erleichtert das Arzneimanagement und reduziert die Kosten.
- Unentbehrliche Arzneimittel sind diejenigen, die wesentliche Gesundheitsbedürfnisse der breiten Bevölkerung abdecken.
Diese Liste wird alle zwei Jahre überarbeitet. Die aktuelle 12. Essential Drug List vom April 2002 enthält 325 Substanzen und in einem Anhang eine Auswahl antiretroviraler Präparate sowie weiterer Arzneistoffe zur Behandlung von HIV-assoziierten Krankheiten, insbesondere gegen opportunistische Infektionen (www.who.int/medicines).
Orientiert daran haben inzwischen 156 Länder eigene nationale Listen mit so genannten unentbehrlichen Arzneimitteln einschließlich darauf basierender Therapierichtlinien erstellt beziehungsweise übernommen. Alle großen internationalen Hilfswerke und UN-Organisationen richten ihre Medikamentenprogramme an diesen Modelllisten aus. Dennoch müssen bei fast jeder Katastrophensituation in der Welt große Mengen gespendeter Arzneimittel arbeits- und kostenintensiv entsorgt werden, da sie vor Ort nicht verwendbar beziehungsweise unbekannt sind, über dem Verfalldatum liegen oder ganz einfach nicht indiziert sind.
In einem gemeinsamen Projekt von WHO und 14 internationalen Hilfsorganisationen entstanden daher „Leitlinien für Arzneimittelspenden“ mit folgenden Grundprinzipien:
- Maximaler Nutzen für den Empfänger,
- Berücksichtigung des tatsächlichen Bedarfs,
- keine doppelten Qualitätsstandards,
- Kommunikation zwischen Spendern und Empfängern.
Die Leitlinien wurden 1996 erstmals veröffentlicht, 1999 erschien eine zweite, leicht veränderte Auflage. Die einzelnen Punkte sind in ihrer Kurzform dem Textkasten zu entnehmen. In Deutschland hat es sich das Deutsche Institut für Ärztliche Mission (DIFÄM-Arzneimittelhilfe) in Tübingen zur Aufgabe gemacht, diese Leitlinien allen potenziellen Arzneimittelspendern bekannt zu machen und Alternativen aufzuzeigen; nähere Informationen unter www.difaem.de oder E-Mail: amh@di faem.de.
Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, Dachverbände der Apothekerschaft und des pharmazeutischen Großhandels, der German Pharma Health Fund für den Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller und alle größeren Hilfswerke haben bekundet, dass sie sich in Zukunft an diesen Leitlinien orientieren werden.

Albert Petersen
Deutsches Institut für Ärztliche Mission
Arzneimittelhilfe
Postfach 13 07, 72003 Tübingen

Dr. med. Frank J. Hensel
Bundes­ärzte­kammer
Herbert-Lewin-Straße 1, 50931 Köln
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