ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2002Organspende: Gesetzeslage ändern
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LNSLNS . . . Fast täglich sterben Patienten, die auf der Warteliste von Eurotransplant vermerkt sind und ein dringend benötigtes Organ wegen des in Deutschland bestehenden, durch das Transplantationsgesetz von 1997 mitverursachten Organspendermangels nicht mehr rechtzeitig erhalten. Auch der Mitautor (47 Jahre) hatte wegen des hausgemachten Organmangels so gut wie keine Chance, rechtzeitig eine Leber von einem Hirntoten zu bekommen. Sein Bruder, Dirk Balke (41 Jahre), war es, der sich in Lebensgefahr begab, einen Teil seiner Leber spendete und so Leben rettete.
Es geht bei der Organverpflanzung um Leben und Tod. Da ist es nachvollziehbar, wenn ein sachverständiger Chirurg für das (auch) gemeinnützige Verhalten eines lebenden Organspenders als Anerkennung steuerliche Vorteile oder direkte Subventionen durch die Gemeinschaft aller Steuer- und Beitragszahler anregt. Jedenfalls besteht überhaupt kein Anlass, diesen gut gemeinten, aus der Not des Organmangels heraus geborenen Vorschlag zu verurteilen. Will der Präsident der Bundesärztekammer etwa auch die Aufwandsentschädigung derjenigen verurteilen, die für einen guten Zweck Blut spenden?
Im Übrigen wird die Forderung der Bundesärztekammer nach mehr Aufklärung der Bevölkerung und die damit verbundene Festschreibung des herkömmlichen Verfahrens der Organspende den deutschen Organmangel nicht wirklich beseitigen können. Denn trotz jahrelanger und engagierter Aufklärungsbemühungen, etwa der Selbsthilfevereine, sind die Organspenden durch Hirntote im Gegensatz zum Ausland (etwa Spanien und Österreich) eher rückläufig. Statt den Nothilfevorschlag eines Kollegen schlechtzureden, sollte der Präsident der Bundesärztekammer lieber versuchen, Landes- und Bundesgesetzgeber in die Pflicht zu nehmen.
So sind verschiedene Landesgesetzgeber, insbesondere der von NRW, daran zu erinnern, dass endlich die notwendigen Voraussetzungen für flächendeckende Annahmemöglichkeiten der Spenderorgane zu schaffen sind; derzeit kooperieren bundesweit erst 600 von 1 400 möglichen Krankenhäusern mit den Transplantationszentren. Daneben könnte das Transplantationsgesetz auf Bundesebene grundlegend geändert werden. Zum einen könnte mit einer offiziellen Organspendebereitschaft, die im Personalausweis vermerkt werden könnte, die verbesserte Chance verbunden sein, im Krankheitsfall selbst Organempfänger zu werden. Der offizielle Organspendebereite müsste – bei vergleichbarer Notlage – einem Nichtspendebereiten vorgezogen werden können. Zum Zweiten könnten alle Hirntoten per Gesetz zu möglichen Organspendern erklärt werden. Nur diejenigen, die zu Lebzeiten einer möglichen Organentnahme erkennbar widersprechen, sollten außen vor bleiben . . .
Dr. med. Sabine Hartmann,
Dr. jur. Michael Balke,
Thelenort 1, 44339 Dortmund

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