ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2002Forschung: Ratschlag - Kehren vor der eigenen Tür
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LNSLNS . . . Im Unterschied zu anderen Institutionen, die Forschungsgelder bereitstellen (EU-Kommission, BMBF, Stiftungen), werden bei der DFG die Mittel vorrangig an bereits gut etablierte Forschungsgruppen in renommierten Instituten vergeben. C-4-Professoren und die von ihnen geförderten Mitarbeiter werden bevorzugt bedient. Das Gutachterwesen ist undurchsichtig, Gutachten werden nie vollständig zur Verfügung gestellt, um den beantragenden Forschergruppen die Möglichkeit zu geben, anhand der Gutachten ihre Anträge zu verbessern und aus den eventuellen Fehlern zu lernen. Die Förderung von Frauen ist ein völliges Fremdwort, zumindest im biomedizinischen Bereich. Nachwuchswissenschaftler, die unabhängig von Institutsdirektoren mit hohem Bekanntheitsgrad Eigeninitiative zeigen und selbstständig erfolgreiche Arbeitsgruppen aufbauen, werden ausgebremst oder sogar strategisch gezielt isoliert mit der Folge, dass sie irgendwann entnervt ihre bis dahin erfolgreiche wissenschaftliche Tätigkeit aufgeben. Zu allem kommt ein auf der ganzen Welt einmaliger staatlich sanktionierter Jugendwahn (siehe Juniorprofessuren), der dazu führt, dass eine ganze Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im besten Alter auf der Straße steht und an der weiteren wissenschaftlichen Arbeit gehindert wird. Mit einer solchen Strategie wird es Deutschland sicher nicht gelingen, zu einem der führenden Länder in der biomedizinischen Forschung zu werden. Wenn Herr Prof. Winnacker Forschunsgfeindlichkeit des Gesetzgebers kritisiert, dann sollte dies mit einem Kehren vor der eigenen Haustür verbunden sein.
Priv.-Doz. Dr. med. Birgid Neumeister, Dornäckerweg 8,
72070 Tübingen
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