ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2002Malawi: Korruption ist allgegenwärtig

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Malawi: Korruption ist allgegenwärtig

Dtsch Arztebl 2002; 99(41): A-2696 / B-2299 / C-2163

Thalheimer, Trudy

Zu Berichten über die Hungersnot in Malawi:
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LNSLNS . . . Nach dem großen Regierungswechsel 1992 und der damit verbundenen Einführung der freien Marktwirtschaft befindet sich der Landwirtschaftssektor auf dem absteigenden Ast und der Markt für Saatgut und Düngemittel in den Händen einiger weniger Spekulanten, die – obgleich häufig in Regierungsämtern sitzend – weniger an einer vernünftigen Landwirtschaftspolitik interessiert sind als an ihrem schnellen Gewinn. So haben sich die Saat- und Düngerpreise mittlerweile derart verteuert, dass dadurch ein Großteil vor allem der kleineren Bauern in den Ruin getrieben wurde. Dennoch hätte der für dieses Jahr von der UN prognostizierte Maisfehlbestand in Höhe von 485 000 Tonnen noch im letzten Jahr problemlos durch die eigenen Notvorräte gedeckt werden können. Nur sind diese von unbekannter Seite her inzwischen längst an einen lokalen indischen Geschäftsmann verkauft worden. Gerüchten zufolge lag der Preis bei 3 MK (Malawi Kwatcha, der Landeswährung) pro Kilo inklusive Lagergebühren, damit der Mais auch gleich an Ort und Stelle in den Silos verbleiben konnte. Heute werden für diesen Mais zwischen 13 und 24 MK pro Kilo gefordert. Ein stolzer Gewinn!
Dieses ist kein Einzelfall. Korruption und politische Intoleranz sind längst allgegenwärtig. Immer wieder verschwinden Millionenbeträge aus Entwicklungshilfegeldern spurlos. Dänemark, ein bedeutendes Geberland, hat mittlerweile die Konsequenzen gezogen und nicht nur alle zugesagten Mittel zurückgezogen, sondern darüber hinaus sogar seine Botschaft geschlossen. Andere Länder wie England, aber auch die EU folgten und legten ebenfalls Gelder in Millionenhöhe auf Eis. „So lange, bis sich die malawische Regierung wieder auf das Regieren besinnt!“ . . .
Die eigentliche Krisensituation findet also auf den Regierungsbänken und nicht auf den leeren Tellern der Bevölkerung statt. Denn wer aktuell durch Malawi reist, der wird von der viel zitierten Hungersnot nichts entdecken . . .
Trudy Thalheimer, Am Roten Berg 9, 86971 Peiting
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