ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2002Ist eine Elimination der Varizellen durch eine allgemeine Impfung möglich? Viele offene Fragen
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LNSLNS Der Beitrag lässt viele Fragen offen; wesentliche Aussagen und Schlussfolgerungen sind nicht ausreichend belegt und für den Leser nicht transparent, weil auf (noch) nicht veröffentlichte Untersuchungen verwiesen wird (Literaturstellen 3 und 13). Wichtige der Literatur entnommene Angaben werden überhaupt nicht belegt: Worauf beruht die Annahme (Tabelle 2), dass 22 Todesfälle durch Varizellen jährlich in Deutschland zu erwarten sind? Diese Zahl kann nicht der eigenen Studie entstammen, die nur 1 334 Fälle erfasst hat.
Es gibt weitere Unklarheiten bei Tabelle 2: Dort wird eine Komplikationsrate von 5,35 Prozent zugrunde gelegt. Ist sie von Tabelle 1 übernommen? Dort beträgt sie allerdings 5,6 Prozent. Woher stammen die in Tabelle 2 auf den Fall genau angegebenen Hospitalisierungszahlen? Warum werden die Daten dazu nicht dargestellt? Jedenfalls handelt es sich bei den nur geschätzt angebbaren Bezugszahlen (Varizellenfälle) um eine irritierende Pseudogenauigkeit. Die Angabe „schwere Verläufe“ (16,3 Prozent!) ist unqualifiziert und kann zu der Aussage „Varizellen sind keine harmlose Erkrankung“ nichts beitragen. In Tabelle 1 fällt auf, dass qualifizierte Komplikationen mit 4,8 Prozent bei Kindern häufiger vorkamen als bei über 12 Jahre alten Patienten mit 3,8 Prozent. Bei den Letztgenannten werden noch 2,4 Prozent nicht qualifizierte Komplikationen genannt, das sind fast 40 Prozent aller in dieser Altersgruppe erfassten Komplikationen. In den angekündigten Originalveröffentlichungen darf man hierzu wie zu den „schweren Verläufen“ differenziertere Darstellungen erwarten.
Auch bei der Kosten-Nutzen-Rechnung bleiben natürlich viele Fragen offen, deren Beantwortung erst nach Veröffentlichung der Literaturstelle
3 möglich sein wird. Bis dahin kann diese Rechnung nicht nachvollzogen und der ihr zukommende Wert nicht beurteilt werden. Ich frage mich, was die Autoren zu der voreiligen Veröffentlichung veranlasst hat, die auch nach Erscheinen der „submitted“-Publikationen und gründlicher Überarbeitung immer noch frühzeitig genug gekommen wäre, nachdem der für das angestrebte Ziel erforderliche Kombinationsimpfstoff nach Aussage der Autoren ohnehin noch Jahre auf sich warten lassen wird.

Prof. Dr. med. Theodor Luthardt
Scheuergasse 4
79271 Sankt Peter

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