ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2002Heinrich II.: Ein Herrscher zwischen Macht und Glaube

VARIA: Feuilleton

Heinrich II.: Ein Herrscher zwischen Macht und Glaube

Dtsch Arztebl 2002; 99(41): A-2723 / B-2318 / C-2182

Mayring, Eva-Maria

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Basler Antependium (um 1019) – Heinrich und Kunigunde knien zu Füßen Christi, eine Geste der Demut.
Basler Antependium (um 1019) – Heinrich und Kunigunde knien zu Füßen Christi, eine Geste der Demut.
Der mittelalterliche Kaiser steht im Mittelpunkt
einer Bamberger Landesausstellung.

Er ist unermüdlich im Einsatz, ein Reisetermin jagt den anderen. Während seiner 22-jährigen Amtszeit managt er geschickt innenpolitische Streitigkeiten und vermag auch die Kräfte im eigenen Land für sich zu nutzen. Sein Engagement zielt vor allem darauf ab, die Beziehungen zu den Nachbarn im Osten zu vertiefen. Nun könnte man meinen, es handle sich um einen europäischen Außenminister unserer Tage. Weit gefehlt – die kurze Personenbeschreibung bezieht sich auf Kaiser Heinrich II. (973–1024), der vor genau 1 000 Jahren in Mainz zum König und 1014 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde.
In der fränkischen Bischofsstadt Bamberg, 1007 von Heinrich II. gegründet, läuft bis zum 20. Oktober eine umfangreiche Landesausstellung. Die Historiker aus dem Haus der Bayerischen Geschichte legten großen Wert darauf, in erster Linie Fakten sprechen zu lassen. Mehrere Ausstellungsflächen geben Einblick in die Welt von damals. Der Nachbau eines mittelalterlichen Gehöftes auf dem Domplatz und mehr als 300 wertvolle Exponate in der Alten Hofhaltung, im Diözesanmuseum und in der Staatsbibliothek dokumentieren, wie sich nach der Jahrtausendwende Herrschaft darstellte.
Heinrich II. und Kunigunde (um 1237) – Das einzige heilig gesprochene Kaiserpaar der Geschichte begrüßt den Dombesucher an der Adamspforte als Bistumspatron. Fotos: Haus der Bayerischen Geschichte
Heinrich II. und Kunigunde (um 1237) – Das einzige heilig gesprochene Kaiserpaar der Geschichte begrüßt den Dombesucher an der Adamspforte als Bistumspatron. Fotos: Haus der Bayerischen Geschichte
Heinrich II., der im Mittelpunkt dieser historischen Präsentation steht, zeigte schon früh seinen ausgeprägten Machtwillen. Als Sohn
des Bayernherzogs Heinrich des Zänkers berief er sich nach dem Tod des kinderlosen Otto III. auf seine königliche Herkunft und kam einer Wahl der Fürsten zuvor. Nach der schnell vollzogenen Krönung im Mainzer Dom (1002) mussten seine Widersacher schweigen. Von nun an regierte er als Herrscher im Sattel. Zwischen 30 und 90 Kilometer legte er täglich zu Pferde zurück. Mithilfe von Reichsversammlungen und Synoden stabilisierte er seine Herrschaft.
Der Heinrichsdom im Bistum Bamberg verkörperte die Reichskirche. Höhepunkt seiner Politik war der Besuch von Papst Benedikt VIII. Auf einer Synode in Bamberg vereinten Kaiser und Papst ihr Handeln für die Christenheit. Und zwei Jahre später überreichte der Papst Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde in Rom die Kaiserkrone. Dort wurde ihm der Sternenmantel von einem apulischen Herzog überreicht. Bestehend aus nachtblauer byzantinischer Seide mit goldgestickten Sternen, wollte er symbolhaft dem Kaiser, der „Zierde Europas“, das Sternengewölbe zu Füßen legen.
Trotz seiner politischen Erfolge plagten Kaiser Heinrich private Sorgen. Denn zeitlebens blieb dem Herrscherpaar der Kinderwunsch versagt. Doch am Ende sollte auch dieses Schicksal noch eine positive Wendung finden. Die Nachgeborenen erklärten posthum die kaiserliche Ehe als nicht vollzogen. Damit schien die Keuschheit des Paa-res erwiesen. Und so wurden Heinrich und Kunigunde 1146 von Papst Eugen III. heilig gesprochen. Er und seine Gemahlin sind damit das
einzige heilige Herrscherpaar der Geschichte. Das von Til-
man Riemenschneider (1499– 1513) geschaffene Kaisergrab im Bamberger Dom und die Exponate der Ausstellung lassen eindrucksvoll eine längst verklungene Epoche wieder aufleben.
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Auf dem Bamberger Domberg erwarten den Besucher Glanzstücke mittelalterlicher Schatzkunst, historische Inszenierung und lebendige Archäologie, die zusammen die geschichtliche Dimension der biografischen Stationen verdeutlichen. Feinste Goldschmiedekunst, farbenfroh illustrierte Evangelien und Perikopenbücher, schmuckvolle Gewänder, Reliquien und Geräte aus Gold, Elfenbein und Edelsteinen versetzen den Betrachter in Staunen.
Weitere Stücke aus dem Vatikan, London, Brüssel,
Wien, Mainz und Hildesheim unterstreichen die internationale Bedeutung der Historienschau. Wertvolle, selten gezeigte Handschriften aus dieser Zeit und eine Replik der Reichskrone (um 962) präsentieren die Insignien der Macht, wie sie um die erste Jahrtausendwende in Gebrauch waren. Zudem wird mit vielen spielerischen Elementen der historische Rückblick aufgelockert. Mit eingespielten Videos, Filmen oder Computerspielen können die Besucher ihr Wissen vertiefen.
Anmeldung zu Führungen: Telefon: 08 00/3 43 43 42
(kostenlos), Internet: www.heinrich.de oder www.hdbg.de
Eva-Maria Mayring

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