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Chronische Hautkrankheiten: Topische Glucocorticoide sind noch unverzichtbar

Dtsch Arztebl 2002; 99(41): A-2726 / B-2198 / C-1998

Hoc, Siegfried

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Psoriasis, atopisches Ekzem (Neurodermitis) und so genannte Kontaktekzeme sind chronische Hauterkrankungen, die den Betroffenen meistens lebenslang begleiten. Moderne Immunmodulatoren und -suppressiva sowie Zytokin-Antagonisten werden zwar erprobt, können aber in nächster Zukunft die Anwendung topischer Glucocorticoide nicht vollkommen ersetzen.
Das therapeutische Repertoire der Psoriasis hat sich deutlich erweitert. Zum Klassiker Anthralin sind Vitamin-D3-Analoga, Retinoide und Tacrolimus-Salbe hinzugekommen. In der Entwicklung oder kurz vor der Zulassung befinden sich zahlreiche neue Substanzen. Prof. Gottfried Worzel (Dresden) nannte Ciclosporin-A-Derivate mit guter Hautpenetration, Nagellack mit Clobetasol-17-propionat, Methotrexat-Gel und Maxacalcitol.
Psoriasis-Schübe
Zu einer neuen Klasse von Antipsoriatika zählen auch Etanercept und „Biologicals“, zum Beispiel TNF-alpha-Antagonisten, monoklonale Antikörper und Zytokin-Antagonisten. Dennoch haben topische Glucocorticoide einen festen Platz in der Behandlung von Psoriasis-Schüben. Der Vorzug wird Substanzen mit geringer atrophogener Potenz gegeben, beispielsweise der nichthalogenierte Doppelester Prednicarbat (Dermatop®).
Auch in der Behandlung des atopischen Ekzems haben topische Glucocorticoide trotz neuer Entwicklungen – neben der konsequenten adjuvanten Basistherapie – einen hohen Stellenwert. Sie seien vor allem bei Exazerbationen und für die Intervalltherapie unverzichtbar, sagte Prof. Dietrich Abeck (München). Bei sachgemäßem Einsatz induzieren Prednicarbat und verwandte Substanzen wie Hydrocortison-Buteprat oder Hydrocortison-Aceponat keine Hautatrophien.
Topische Immunmodulatoren, wie Tacrolimus-Salbe (Protopic®), sind ein Fortschritt in der Behandlung des atopischen Ekzems. Da dieses Makrolaktam keinerlei atrophogenes Potenzial besitzt, ist es besonders für empfindliche Hautareale wie Hals und Gesicht zu empfehlen. Weil Immunmodulatoren etwa fünfmal teurer sind als Steroide der 4. Generation, werden Letztere auch weiterhin die erste Wahl sein.
Wie Dr. Rolf-Markus Szeimies (Regensburg) erklärte, können Kontaktekzeme durch zwei unterschiedliche Mechanismen entstehen: durch toxische Einwirkungen oder auf der Grundlage einer allergischen Reaktion. Die akut-toxische Kontaktdermatitis entsteht durch eine Irritation und ist in der Regel auf den Einwirkungsort der Noxe begrenzt. Die bekannteste Form dieser Reaktion ist der Sonnenbrand.
Auslösefaktoren
Das kumulativ-irritative (toxische) Kontaktekzem ist eine chronische Verlaufsform. Ihr liegt eine genetische Veranlagung zugrunde. Häufige Auslösefaktoren sind Detergenzien in Spülmitteln sowie Säuren und Laugen. Hausfrauen, Friseure, Metallarbeiter (durch Bormilch) und medizinisches Personal (infolge häufiger Händedesinfektion) sind besonders gefährdet.
Das allergische Kontaktekzem beruht dagegen auf einer immunologischen, zellulär-vermittelten Reaktion. Das auslösende Antigen wird von der Haut aufgenommen und von den Langerhans-Zellen als fremd erkannt. Sie transportieren es in die nächstgelegenen Lymphknoten, und hier werden spezifische T-Lymphozyten stimuliert, welche bei nochmaliger Exposition gegenüber dem Antigen in der Haut eine spezifische Entzündungsreaktion induzieren. Unter den Allergenen führt Nickelsulfat mit etwa 16 Prozent die Häufigkeitsliste an, gefolgt von Duftstoffen, Perubalsam und Thiomersal.
Sowohl die akut toxischen als auch die allergischen Kontaktekzeme werden vorwiegend mit topischen Glucocorticoiden behandelt. Bei blasigen oder erosiven Hautveränderungen empfiehlt Szeimies die Verwendung einer wenig fetten, eher austrocknenden Lotion oder eines Schaumes (Dermatop®-Lösung). Im weiteren Verlauf der Abheilung oder bei lichtinfizierten Herden können dann auch Creme- oder Salbenzubereitungen aufgetragen werden. Ein starker begleitender Juckreiz erfordert die Gabe eines systemisch wirkenden Antihistaminikums. Für einen dauerhaften Therapieerfolg ist aber die Identifizierung und Ausschaltung des Allergens oder der Noxe Voraussetzung. Patienten, die zu Kontaktekzemen neigen, sollten einen effektiven Hautschutz durch rückfettende Salben oder Cremes durchführen. Siegfried Hoc

Veranstaltung „Im Brennpunkt: Der chronisch hautkranke Patient“ der Aventis Pharma Deutschland in Baden-Baden
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