ArchivDeutsches Ärzteblatt PP10/2002Gutachterverfahren: Schandfleck

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Gutachterverfahren: Schandfleck

PP 1, Ausgabe Oktober 2002, Seite 457

Pumpe-Dieterich, Anne Marie

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Das Gutachterverfahren ist in der Tat ein Schandfleck. Ich habe mir von mehreren Anbietern der „Hilfestellung für die Abfassung von Gutachten“ die Unterlagen kommen lassen. Der Überblick zeigt, dass der Verfasser eines Berichtes, der die Patienten niemals gesprochen hat, mit den Angaben einer mehr oder weniger verknappten Form des Lazarus-Anamnesebogens auskommt. Die Daten sind einfach zu erheben, das Problem liegt darin, sie nun gutachtergerecht aufzuschäumen. Ich schreibe seit 1990 Gutachten und bekomme ständig welche zurück. Wenn es rationale Regeln gäbe, diese einfachen Ausgangsdaten in einen Bericht zu fassen, müsste ich sie doch in zwölf Jahren begriffen haben können.
Von Gutachterseite wird das Verfahren gerühmt, dabei haben die Gutachter selbst über Jahre nachgewiesen, wie sie die Berichte einschätzen, nämlich als wertlos. Eine Reihe der Gutachter ist in der Therapieforschung tätig. Keiner hat ein Ergebnis publiziert, das die Variable „Abfassung eines vom Gutachter bewilligten Berichtes“ überprüft, obwohl diese Überprüfung für die forschenden Gutachter einfach wäre.
Anne Marie Pumpe-Dieterich, Kölner Straße 126, 51379 Leverkusen
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