ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2002Malaria: Plasmodium-Genom wurde entschlüsselt

AKTUELL: Akut

Malaria: Plasmodium-Genom wurde entschlüsselt

Dtsch Arztebl 2002; 99(42): A-2741 / B-2337 / C-2189

Mertens, Stephan

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LNSLNS Hundert Jahre nach der Entdeckung, dass Moskitos den Malaria-Parasiten übertragen, konnte die Forschung nun einen weiteren Durchbruch erzielen: Sowohl das Genom des Parasiten Plasmodium falciparum als auch der Moskito-Art Anopheles gambiae konnten analysiert werden. Die Ergebnisse präsentierten die Forscher parallel in den Fachmagazinen Science und Nature. Nach sechsjähriger Forschungsarbeit liegt die vollständige Sequenz des gefährlichsten Erregers der Malaria, Plasmodium falciparum, vor (Nature 2002; 419: 490–492, 498–511). In dieser Zeit hat das internationale Konsortium das 23 Megabasen große Genom entschlüsselt. Auf den 14 Chromosomen wurden etwa 5 300 Gene identifiziert. Im Gegensatz zu frei lebenden eukaryontischen Mikroorganismen weist P. falciparum weniger Enzyme und Transportmoleküle, aber dafür viele Proteine auf, die möglicherweise bei der Invasion des Immunsystems und bei der Interaktion zwischen Wirt und Parasit eine Rolle spielen.

Von besonderem Interesse scheint der Apicoplast zu sein. Hierbei handelt es sich um eine Organelle, die Homologie zu den bei Pflanzen vorkommenden Chloroplasten aufweist. Der Apicoplast metabolisiert Fettsäuren und Isoprenoid. Um das Genom zu entschlüsseln, wurden die Chromosomen elektrophoretisch getrennt und in kleine Fragmente zerteilt, die anschließend sequenziert werden konnten. Die Wissenschaftler erhoffen, mithilfe der Sequenzdaten Proteine zu identifizieren, die als Impfstoff oder als Drug Target infrage kommen. Darüber hinaus verspricht man sich, die Biologie des Parasiten besser zu verstehen.

Es werde noch eine Zeit dauern, bis die Erkenntnisse in die Praxis umgesetzt werden könnten, doch Malaria dürfte in naher Zukunft unter Kontrolle gebracht werden, sagte Brian Greenwood von der London School of Hygiene and Tropical Medicine. Um Forschern der unterschiedlichsten Disziplinen den Zugang zu den ermittelten Informationen zu erleichtern, wurde ein Portal unter der Adresse http://PlasmoDB.org eingerichtet. Dr. sc. nat. Stephan Mertens
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