ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2002Kinderärzte: Voller Lastenausgleich

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Kinderärzte: Voller Lastenausgleich

Dtsch Arztebl 2002; 99(42): A-2768 / B-2359 / C-2214

Beleites, Bernhard

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LNSLNS Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) beklagt die Vernachlässigung der Kinder im Rahmen der Familienpolitik. Es handelt sich jedoch eher um Anti-Familienpolitik. Familie kann nicht die kinderlose Ehe sein, die durch Steuer- und Gehaltsvergünstigungen sowie das angesichts von Sparzwängen widersinnige Geschenk der kostenlosen Krankenmitversicherung gefördert wird. Wirkliche Familien, durch Geburt von Kindern entstanden, sind ein hausgemachtes vorrangiges Armutsrisiko.
Bei näherem Hinsehen ist die Familienförderung das Gegenteil. Die Generationslasten werden in die Privatsphäre abgedrängt und zusätzlich mit Steuern und Sozialbeiträgen belegt. Auf Kinder gewährte Freibeträge oder Kindergeld gleichen nicht die Abgaben aus, die von den Eltern auf den Einkommensanteil zu entrichten sind, den sie für die Aufzucht der Kinder aufwenden müssen. Mütter werden statt des Schutzes und der Fürsorge der Gemeinschaft (Art. 6 GG) neben der Gratisarbeit der Kinderaufzucht bei Benachteiligung durch die Sozialsysteme darauf verwiesen, ihren Sexualpartner auf Zahlung in Anspruch zu nehmen. Für ihn resultiert daraus eine lange Schuldknechtschaft, selbst dann, wenn er zu den fünf bis zehn Prozent gehört, die fälschlicherweise für den genetischen Erzeuger gehalten werden.
Mittels gewaltigen administrativen Aufwandes wird, scheinbar im Dienst der Mütter und Kinder, die individuelle Benachteiligung verwaltet. Männer und Frauen werden gegeneinander ausgespielt, um ihre gemeinsame Ausplünderung zugunsten der Kinderlosen zu verschleiern. Das resultierende Konfliktpotenzial ist geeignet, die Kinder zu seelischen und physischen Opfern der Reibereien untereinander und mit der Gesellschaft werden zu lassen. Hier gibt es einen präventiven Ansatz durch eine Reform.
Durch das bisherige indirekte und darum gemeinhin nicht zur Kenntnis genommene gigantische Förderprogramm profitieren Kinderlose von
etwa 30 % Lebensstandard-Plus und als Rentner uneingeschränkt vom Generationenvertrag, auch wenn sie zur folgenden Generation nichts beigetragen haben. Ein Effekt ist die mittlerweile bedrohliche Deformierung der Altersstruktur der Industrienationen. Was läge angesichts wachsender demographischer Probleme näher, als den noch nicht erwerbsfähigen Sozialbeitragszahler-Nachwuchs unabhängig von der Elternschaft solidarisch durch vollständigen Lastenausgleich zu tragen, ähnlich, wie auch bisher die nicht mehr erwerbsfähige Generation unabhängig von eigenen Kindern solidarisch getragen wird?
Die Partei, die den Mut, die Einsicht und die Konsequenz für die notwendige Veränderung der kranken Gesellschaft aufbringt, wird wohl zurzeit nicht mehr gegründet. Die unerbittlichen sozialen Folgen der Ignoranz werden jedoch darauf keine Rücksicht nehmen.
Dr. med. Bernhard Beleites, Ulrich-von-Hutten-Straße 10, 18069 Rostock
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