ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2002Qualitätssicherung: Herkulesarbeit liegt bei den Assistenzärzten

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Qualitätssicherung: Herkulesarbeit liegt bei den Assistenzärzten

Dtsch Arztebl 2002; 99(42): A-2769 / B-2360 / C-2215

Urbach, D.

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LNSLNS . . . Leider verschweigt der Artikel, dass die per Gesetz erzwungene Datenerfassung für die an der Basis tätigen Ärzte und somit auch für die Patienten eher einer Katastrophe gleichkommt. Die Herkulesaufgabe bestand nicht darin, ein gesetzliches Regelwerk zu bilden und Software zur Datenerfassung in Auftrag zu geben, sondern in der kontinuierlichen Eingabe einer großen Menge von Daten. Und diese wirkliche Herkulesarbeit liegt im Wesentlichen bei den Assistenzärzten, die unabhängig davon schon mit einem zunehmenden Wust an Bürokratie, mit Wartezeiten bei der Dateneingabe durch Netzwerküberlastungen, mit insuffizienter Sofware etc. zu kämpfen haben. Noch immer dauert im Durchschnitt die Bearbeitung eines Patienten für die Qualitätssicherung über 15 Minuten! Diese Zeit fehlt bei der Patientenbetreuung oder muss in die späten Abendstunden verlegt werden. Wenn nun diese Arbeit auch wirklich eine Qualitätssicherung mit der Perspektive einer Qualitätsverbesserung bedeuten würde, so kann man sich auf den Standpunkt stellen, dass der Nutzen größer ist als der dadurch angerichtete Schaden. Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Art der Datenerfassung leider völlig ungeeignet, eine Qualitätskontrolle zu realisieren. Vermutlich wurde neidisch auf die skandinavischen Länder geschaut, wo gezielt Nutzen aus solchen Erhebungen gezogen wird. Hier können jedoch die einzelnen Fälle dann prospektiv eindeutig verfolgt wird. Zum Beispiel kann so herausgefunden werden, ob die eine oder andere Endoprothese weniger lange hält oder bestimmte Komplikationen verursacht. Aufgrund der derzeitigen Struktur mit anonymisierten Fällen ist dies bei uns in keiner Weise möglich, und wir erhalten eine deskriptive Statistik, ohne medizinisch sinnvolle Aussagen treffen zu können. Dazu kommt, dass die Fragen nicht an international anerkannte Evaluationskataloge angelehnt sind und die Eingaben ganz wesentlich von der Stimmung, der Motivation und anderen Zwängen des eingebenden Arztes abhängen. Eines ist sicher: Die Stimmung ist bei der Eingabe der Daten verständlicherweise schlecht. Man darf daher davon ausgehen, dass im Wesentlichen das eingegeben wird, was die wenigste Arbeit und Ärger bedeutet . . .
Priv.-Doz. Dr. med. D. Urbach, Orthopädische Universitätsklinik, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Leipziger Straße 44, 39120 Magdeburg
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