ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2002Ärztliche Standespolitik im Nationalsozialismus

BÜCHER

Ärztliche Standespolitik im Nationalsozialismus

Dtsch Arztebl 2002; 99(42): A-2772 / B-2362 / C-2216

Schwoch, Rebecca

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Medizingeschichte
Differenzierte Bewertungen
Rebecca Schwoch: Ärztliche Standespolitik im Nationalsozialismus. Julius Hadrich und Karl Haedenkamp als Beispiele. Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Heft 95. Matthiesen Verlag, Husum, 2001, 438 Seiten, broschiert, 66 €
Manchem Leser dürfte die Haedenkampstraße in Köln noch ein Begriff sein. 1986 wurde sie auf öffentlichen Druck umbenannt. Es war bekannt geworden, welche Rolle der von den 1920er-Jahren bis 1955 in der ärztlichen Selbstverwaltung führend tätige Arzt Karl Haedenkamp in der NS-Gesundheitspolitik gespielt hatte. Er und der Volkswirt Julius Hadrich, der in der gleichen Zeit eine ähnliche Karriere in ärztlichen Standesorganisationen machte, stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. Ärztliche Standespolitik im Nationalsozialismus wird vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung seit dem Kaiserreich dargestellt. Viele Maßnahmen des Dritten Reiches erfüllten alte Forderungen der Ärzte. Aufgezeigt werden langfristige Kontinuitäten.
Deutlich wird auch Haedenkamps und Hadrichs überzeugte Mitarbeit: Haedenkamp begrüßte das Führerprinzip (die Demokratie „endgültig zu Grabe getragen“), das Sterilisierungsgesetz („Aufartung des Volkes“) und die „Ausschaltung“ der jüdischen und „linken“ Kollegen, an der er selbst mitwirkte („wer deutschen Blutes ist . . ., erhält den Vorrang vor anderen“). Auch Hadrich sah darin „keine Barbarei“, empfand vielmehr „eine tiefe Befriedigung“; diese Politik sei „hart für manchen, notwendig für das Ganze“.
Instruktiv ist Schwochs Analyse von Hadrichs und Haedenkamps Konflikten mit dem Regime, die beide ihre Ämter kosteten; das bedeutete jedoch keinen Bruch mit der NS-Ideologie, war allerdings der Entnazifizierung förderlich.
Die gründliche, zum Teil etwas langatmige Studie informiert umfassend über die NS-Politik der „Gleichschaltung“ und „Ausschaltung“ auf dem Gesundheitssektor im Zusammenspiel von Ärzteschaft, Partei und Staat; sie überzeugt durch differenzierte Bewertungen, nur gelegentlich stören plakative Urteile. Werner Friedrich Kümmel
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige