ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2002Börsebius zu Finanzierungen: Und leise tickt die Bombe

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Finanzierungen: Und leise tickt die Bombe

Dtsch Arztebl 2002; 99(42): [88]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Manche Darlehensnehmer und Bauherren wissen nicht, dass sie schon heute ein dickes Problem haben, von dem sie möglicherweise erst in zig Jahren betroffen sein werden.
Die Rede ist von Kredit-Finanzierungen, gekoppelt mit einer Lebensversicherung, quasi das Nonplusultra der letzten 20 Jahre für vermeintlich clevere Geldfüchse, so suggerierten zumindest die Vermittler dieses Finanzproduktes.
Viele haben in der Tat diese Kreditform sowohl beim Praxiskauf als auch beim Erwerb ihrer Immobilie gewählt, weil es einfach schick war, auf jährliche Annuitäten (Zinszahlungen, verbunden mit Tilgungsleistungen) zu verzichten.
Der Clou bei der Sache: Die Rückzahlungssumme wurde – als Ablaufleistung – aus einer gleichzeitig abgeschlossenen Lebensversicherung am Ende der Darlehenslaufzeit erbracht. Den Kredit „auf einen Rutsch“ zurückzuzahlen hatte steuerlich so viel Charme, dass Tausende diese Finanzierungsform wählten. Diese Leute drohen nun samt und sonders im gleichen Schlamassel zu sitzen.
Es ist nämlich längst nicht mehr sicher, ob am Ende der Laufzeit die ursprünglich erwartete Summe überhaupt noch zur Verfügung steht. Die Überschussbeteiligungen der Versicherungen sinken erheblich, und das macht zu Vertragsende nicht nur ein paar Euro aus. In etlichen Fällen dürfte die Minderzahlung durchaus ein Fünftel des erwarteten Gesamtbetrags ausmachen.
Damit geht natürlich das Gesamtfinanzierungskonzept nicht mehr auf, wenn sich am Ende der Investor noch bis zu 20 Prozent der Darlehenssumme aus den Rippen schneiden muss. Was tun? Für den schockierten Betroffenen gilt es genau zu überlegen, welche Vorkehrungen er zu treffen hat.
Die schlechteste Variante ist sicher eine Kündigung der Lebensversicherung, weil da zu viel Geld kaputtgemacht wird. Besser ist beraten, wer die Versicherung weiterlaufen lässt und versucht, die voraussichtliche Finanzlücke durch regelmäßige Sparbeiträge zu schließen. Ob er das kann, ist freilich eine andere Frage.
Heute beklagen nicht wenige, dass sie auf die früher übliche Form des Hypothekendarlehens mit regelmäßigen Zins- und Tilgungszahlungen verzichtet haben. Zu verlockend waren aber die Versprechen der Vermittler von darlehensgekoppelten Lebensversicherungen.
Dabei galt, und es gilt erst recht nach wie vor, dass Kreditzinsen, die (durch regelmäßige Tilgung) nicht mehr gezahlt werden müssen, nach wie vor die sicherste und beste Geldanlage sind. Anscheinend ist eben doch erlittener Schaden die beste Quelle des Klugwerdens. Schade drum.
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