ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 2/2002Anguilla: Ein verwunschenes Karibik-Eiland

Supplement: Reisemagazin

Anguilla: Ein verwunschenes Karibik-Eiland

Dtsch Arztebl 2002; 99(42): [10]

Würfel, Michael

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Meer, Sonne, Segeln: am Rendezvous-Beach
Meer, Sonne, Segeln: am Rendezvous-Beach
Die kleine Karibikinsel Anguilla hat mehr als 30 feinsandige Strände, Luxusherbergen der nach oben freien Dollar-Klasse, äußerst diskrete Hotelmanager und (noch) so gut wie keine Paparazzi. Jeder geht seines Weges. Alle finden das völlig okay und „cool“. Aufregung um Prominente sind für die 11 000 Insulaner „not cool“.
Cap Juluca: Luxusherberge
Beim Empfang der Queen mussten seinerzeit etliche Einheimische in der Residenz des britischen Gouverneurs dezent gebeten werden, ihren privaten Stehplausch zu beenden, um dem wartenden Staatsoberhaupt mit einem Händeschütteln die Aufwartung zu machen. Die Leute auf der britischen Insel Anguilla im Nordostzipfel der Kleinen Antillen haben keine Ehrfurcht vor großen Namen,
sind stolz, freundlich und achten die private Sphäre – auch die der Touristen. Und das gefällt den Magnaten, Stars und auch weniger Reichen. Rucksackurlauber sind auf Anguilla auch willkommen, wegen der ge-
pfefferten Preise aber rar. Gut gefüllt sind Luxushotels in der 300-Dollar-plus-Klasse wie das „Cap Juluca“ zum Beispiel. Den hellen Puderzuckerstrand vor den Villen im maurischen Stil mit schneeweißen Kuppeln kennen viele in Deutschland aus der TV-Werbung; nämlich durch das weiße Konfekt (Rafaello), das glückliche junge Menschen unter Palmen vor türkisblauem Gestade vernaschen. Das „Malliouhana“-Hotel glänzt mit mehr als 20 000 Flaschen Wein und Champagner in den kühlen Kellergewölben.
Der Blick vom Nobel-Restaurant auf dem Kliff fällt auf die lang gezogene Meads Bay mit ein paar kleinen feinen
Ferienanlagen. Jeder Tourist hat mindestens 50 Meter Strand für sich. Nur beim Rennen der wuchtigen Holzsegler, Nationalsport Anguillas, wird es eng. Dann spazieren und tanzen viele hundert Menschen zwischen Bandbühne, Grill-, Bier- und Rumbuden.
Wer Privatsphäre garantiert haben will, urlaubt zwischen Feuerbaum, Hibiskus und Oleander am Swimmingpool seiner Luxusvilla, die fünf Schlafzimmer und mehr haben kann. Der Küchenchef fragt, ob es Lobster oder Red Snapper sein soll. Der Butler wienert die Limousine blank. Lange dauert eine Inselrundfahrt nicht – bei knapp 30 Kilometer Länge und höchstens fünf Kilometer Breite. Privatstrände gibt es nicht – auch nicht für Reiche und Schöne. Jeder hat das Recht, überall am Meer zu faulenzen und zu spazieren, über feinen Pulversand, grobkörnigen Muschel- und Korallenbelag, durch Gestrüpp oder hoch auf dem Kliff.
Beliebtester Beach ist
Shoal Bay East: Die Flügelspitzen des Pelikans berühren fast das türkisfarbene Wasser, das vor dem inneren Riff leicht schäumt. Der Kopf zuckt nach unten. Der Gleitflug wird blitzschnell zum erfolgreichen Fischzug. Ex-Calypso King „Springer“ singt in „Uncle Ernie’s“ Beach Bar von seinem „Beautiful Island“. Eine Blondine aus der Dallas-Region greift sich das zweite Mikrofon und fällt
in den Refrain ein. Unter dem großen Meertraubenbaum sitzt eine massige
Oma. Das Kopftuch verhüllt die Lockenwickler kaum.
Die alte Frau wuselt liebevoll im Haar ihrer Enkelin
und ordnet die pinkfarbenen Schleifchen mit den gelben Plastikschmetterlingen. Im „Madeariman“ spielt eine Reggaeband Bob Marleys „No woman no cry“ in der Endlosfassung. Ausgelassen tanzen Weiß und Schwarz, Dick und Dünn, Jung und Alt in der Open Air Bar und im Sand. Hundert Schritte weiter brutzeln Hähnchenschenkel über Holzkohle. Einige Urlauber mit Rumpunsch und „Carib“-Bier in der Hand richten sich im Liegstuhl auf, blicken in Richtung Fischerboot und Sonnenuntergang. Das grelle Weißgelb am Horizont verwandelt sich allmählich in Orange- und Glutrot-Töne. Heute stört kein Wölklein. Mancher hofft, endlich den „Green Flash“ zu erleben. Das ist die legendäre Zehntelsekunde, wenn der letzte Sonnenrest im Meer versinkt und einen grünen Streifen aufblitzen lässt. Solch ein lazy Sunday afternoon an Shoal Bay gehört zu den schönsten in der Karibik.
Den Einheimischen ist es ziemlich gleichgültig, ob
heute Claudia Schiffer, Me-
dienzar Ted Turner oder „Texas Ranger“ Chuck Norris gerade einmal wieder auf
Anguilla sind. Die würden nicht Shoal Bay, sondern eher Scilly Cay, einem Restaurant-Eiland 200 Meter vor dem Fischerdorf Island Harbour,
ihre Aufwartung machen. Scilly Cay ist in fünf Fußminuten zu umrunden. Quincy Jones und Michael J. Fox schauen öfter als ein Mal im Jahr vorbei. „Sharon Stone war hier“, erzählen die Restaurant-Betreiber Eudoxie und Sandra Wallace. Das Korallenatoll haben sie mit viel harter Arbeit in eine Goldgrube verwandelt.
Arawaken,
die Ureinwohner
Die Anguillaner, die meist ihre Wurzeln in Afrika haben, gelten als friedliche Menschen, wie auch die indianischen Ureinwohner, die Arawaken, die früher hier lebten. Höhlengravuren, Keramik- und Werkzeugreste zeugen davon, dass Anguilla schon vor 2 000 Jahren besiedelt war. Die Kolonialmächte aus Europa interessierten sich wenig für die flache, karste Insel.
Auch Großbritannien kümmerte sich lange Zeit kaum um Anguilla, vereinigte es später zu einem Bund mit den Inseln St. Kitts und Nevis. In den 60er-Jahren platzte den armen Anguillanern der Kragen. Sie hatten keinen Strom, keine Klinik, kein Telefon, keine staatlichen Gelder und genug von der Bevormundung durch die St. Kitts-Regierung. 1967 jagten die Insulaner das Dutzend Polizisten zurück nach St. Kitts. Als 1969 Mariner und Soldaten an Anguillas Küste landeten, fanden sie nur gackernde Hühner und meckernde Ziegen vor. Die Anguillaner freuten sich seitdem über ihre friedliche „Revolution“, die Loslösung von St. Kitts und die ersten Touristen. Michael Würfel


Reise-Tipps
Anreise: Wer morgens in Deutschland mit Air France via Paris oder mit KLM über Amsterdam startet, kann in Shoal Bay noch gelassen in den Sonnenuntergang schwimmen. Wegen des Zeitgewinns (sechs Stunden im Sommer – fünf im Winter) ist die Ankunft auf dem Airport im niederländischen Teil von St. Martin nachmittags. Das Fährboot nach Anguilla von Marigot im französischen Teil fährt alle 30 Minuten, das letzte um 19 Uhr. Der Pass reicht.
Informationen: Anguilla Tourist Board Deutschland: Rita Morozow, c/o Sergat, Im Güldenen Wingert 8 c, 64342 Seeheim, Telefon: 0 62 57/96 29 20, Fax: 96 29 19; E-Mail: r.morozow@sergat.de; Anguilla: P. O. Box 1388, The Valley, Anguilla (British West Indies), Telefon: 0 01 26 44 97 27 59, Fax: 00 1 26 44 97 27 10, E-Mail: atbtour@anguillanet.com; Internet: www.anguilla-vacation.com
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