SUPPLEMENT: Reisemagazin

Reisethrombose: Risikofaktoren beachten

Schrörs, Hans-Jürgen

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Aufgeschreckt durch die Nachricht, dass eine 28-jährige Frau nach einem Langstreckenflug an einer Thrombose starb, machen sich viele Touristen Sorgen über das Risiko bei derartigen Flügen. In Fachkreisen spricht man auch von einem Economy Class Syndrom. Unter diesem Begriff werden gesundheitliche Schäden verstanden, die durch die Enge der Sitzreihen in einem Flugzeug entstehen. Statistiken deuten auch tatsächlich darauf hin, dass zum Beispiel Thrombosen in der Bussiness Class, in der eine größere Beinfreiheit besteht, seltener auftreten. Insgesamt ist das Thromboserisiko bei Langstreckenflügen aber statistisch noch nicht sicher geklärt. Weitere Untersuchungen werden erwartet. Fest steht, Patienten mit Venenleiden oder durchgemachten Thrombosen sind bei Langstreckenflügen gefährdet.
Was ist eine Thrombose?
Venenthrombose – das Gefäß ist durch einen Thrombus fast vollständig verschlossen
Venenthrombose – das Gefäß ist durch einen Thrombus fast vollständig verschlossen
Als Thrombus oder Thrombose wird ein Blutpfropf in einem Gefäß bezeichnet. Er tritt als Folge einer Venenerkrankung oder Venenverletzung auf. Die große Zahl der Patienten, die an chronischen Venenerkrankungen leiden, unterstreicht die sozialmedizinische Bedeutung der Venenerkrankungen. Schätzungen haben ergeben: Mehr als 1,5 Millionen Patienten in Deutschland haben ein Unterschenkelgeschwür, mehr als 20 Millionen Menschen leiden an Krampfadern und mindestens 15 000 Patienten sterben als Folge einer Lungenembolie. Nicht jeder Mensch ist durch eine Thrombose gefährdet. Tritt ein Venenverschluss auf, müssen Veränderungen im Organismus eingetreten sein.
Drei Faktoren führen allgemein zu einer Thrombose:
Verlangsamung der Blutströmungsgeschwindigkeit, erhöhte Gerinnungsbereitschaft des Blutes und Gefäßwandschäden. Bei Flügen müssen sich die Reisenden oft viele Stunden auf engstem Raum aufhalten. Die Bewegungsmöglichkeiten sind stark eingeschränkt. Dazu kommen spezifische Bedingungen in einem Flugzeug. So beobachtet man bei einem Langstreckenflug Veränderungen, die zu einer Verlangsamung des Blutflusses führen: Infolge der engen Sitzhaltung kommt es zu einem Abknicken der Beinvenen, und die Strömungsgeschwindigkeit des Blutes nimmt ab oder kommt vorübergehend völlig zum Erliegen. Der niedrigere Sauerstoffdruck im Flugzeug, der einer Höhe von etwa 2 400 Metern entspricht, bedingt Ver-
änderungen der Blutgerinnung und eine Erweiterung der Venen. Dadurch nimmt die Strömungsgeschwindigkeit des Blutes ebenfalls ab. Die niedrige Luftfeuchtigkeit im Flugzeug führt darüber hinaus zu einer Entwässerung des Körpers und zu einer Eindickung des Blutes. Das Fließverhalten verschlechtert sich, die Strömungsgeschwindigkeit wird auch hierdurch verringert.
Das Thromboserisiko ist vom persönlichen Risikoprofil abhängig. Bestimmte Vorerkrankungen, Lebensweisen und Medikamenteneinnahmen können die Entstehung einer Thrombose begünstigen.
Das Thromboserisiko vergrößert sich insbesondere bei Übergewicht, während und nach einer Schwangerschaft, nach Operationen, besonders im Beckenbereich, und nach Verletzungen der Beine und Arme. Darüber hinaus besteht ein erhöhtes Risiko bei regelmäßigem Nikotin- und Alkoholmissbrauch, während der Einnahme der Antibabypille, bei einer Herzschwäche, fortgeschrittener Blutzuckerkrankheit, sowie generell im Alter von über 50 Jahren. Ruhigstellungen, zum Beispiel durch Gipsverbände, bedingen ein besonderes Thromboserisiko. Von Thrombosen sind hauptsächlich die Beine betroffen, sie können aber auch zum Beispiel im Beckenbereich oder in den Armen auftreten.
Wie kann man vorbeugen?
Alle Maßnahmen, die zu einer verstärkten Durchblutung, Verbesserung der Fließgeschwindigkeit und zu einer Verdünnung des Blutes führen, wirken
Die beengte Sitzposition im Flugzeug führt zu einem Abknicken der Beinvenen und zu einer Verschlechterung des Fließverhaltens des Blutes. Das Thromboserisiko steigt. Fotos: BilderBox, Schrörs (2)
Die beengte Sitzposition im Flugzeug führt zu einem Abknicken der Beinvenen und zu einer Verschlechterung des Fließverhaltens des Blutes. Das Thromboserisiko steigt. Fotos: BilderBox, Schrörs (2)
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einer Thrombose entgegen. Die wichtigsten Verhaltensregeln kann jeder Fluggast ohne großen Aufwand befolgen: So sollte man die Muskelpumpe durch Bewegung der Füße und der Beine regelmäßig betätigen, eine ausreichende Trinkmenge zuführen (0,25 Liter pro Flugstunde), sowie Alkohol, der entwässernd wirkt, meiden. Bestehen Venenleiden oder sind bereits Thrombosen aufgetreten, ist erhöhte Vorsicht notwendig und vor dem Flug ein Arzt zu Rate zu ziehen. So können nach Absprache mit dem Fachmann gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen infrage kommen. Man hat bei Risikopatienten gute Erfahrungen mit dem Anlegen von Kompressionsstrümpfen und der zusätzlichen Einnahme von Acetylsalizylsäure gemacht. In bestimmten Fällen kann vom Arzt auch die Anwendung blutverdünnender Medikamente verordnet werden. Dr. med. Hans-Jürgen Schrörs
www.reisevorsorge.de

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