ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2002Rheumatoide Arthritis: Adalimumab wirkt allein und kombiniert

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Rheumatoide Arthritis: Adalimumab wirkt allein und kombiniert

Rautenstrauch, Julia

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LNSLNS Adalimumab ist der erste vollständig humanisierte monoklonale Antikörper gegen Tumor-Nekrose-Faktor-(TNF-)alpha. Auf dem europäischen Markt wird das neue Medikament voraussichtlich ab Mitte 2003 verfügbar sein. In zahlreichen klinischen Studien erwies sich der Antikörper in der Behandlung von Patienten mit schwerer rheumatoider Arthritis (RA) als hoch wirksam und sicher, und zwar sowohl in der Monotherapie als auch in der Kombinationstherapie mit Methotrexat oder anderen Basistherapeutika.
Das Zytokin TNF-alpha gelte als „treibende Kraft von Synovitis und Knochendestruktion“, sagte Prof. Ferdinand Breedveld (Universitätsklinik Leiden). Bisher stehen zwei Medikamente zur Blockade des proinflammatorischen Zytokins zur Verfügung: das Fusionsprotein Etanercept (Enbrel®) und der chimäre monoklonale Antikörper Infliximab (Remicade®). Indiziert sind TNF-alpha-Blocker bei Kranken, die auf herkömmliche Basistherapeutika einschließlich Methotrexat nicht ansprechen; das sind etwa 20 Prozent aller RA-Patienten. „Für diese Patienten benötigen wir dringend wirksame Alternativen“, betonte Prof. Josef Smolen (Universitätsklinik Wien).
Adalimumab ist an 2 334 Patienten und 241 gesunden Probanden geprüft worden. Schon die ersten klinischen Studien an zuvor therapierefraktären Patienten zeigten ein rasches Ansprechen (oft innerhalb von 24 Stunden) und lieferten erste Hinweise, dass der TNF-alpha-Blocker das Fortschreiten der Gelenkdestruktion aufhalten könnte.
In der ARMADA-(Anti-TNF-Research-Study Program of the Monoclonal Antibody Adalimumab [D2E7] in Rheumatoid Arthritis-)Studie an 271 RA-Patienten, die unter Methotrexat keine ausreichende Kontrolle der Krankheitsaktivität gezeigt hatten, habe die zusätzliche Behandlung mit Adalimumab in verschiedenen Dosierungen (20, 40 oder 80 mg jede zweite Woche subkutan) zu signifikant besseren Ergebnissen geführt als die alleinige Methotrexatbehandlung, berichtete Prof. Paul Emery (Universität Leeds).
Eine Besserung der Krankheitsaktivität um 20 Prozent nach den Kriterien des American College of Rheumatology (ACR20-Wert) erreichten je nach Dosis bis zu zwei Drittel der Methotrexat-plus-Adalimumab-Patienten, aber nur 14,5 Prozent der Me-
thotrexat-plus-Placebo-Gruppe. Eine Besserung um 50 Prozent (ACR50-Wert) zeigte mehr als die Hälfte der kombiniert Behandelten gegenüber 8,1 Prozent unter Methotrexat plus Placebo. Eine Besserung um 70 Prozent (ACR70-Wert) schließlich, die klinisch einer Vollremission gleichkommt, erlebten rund ein Viertel der Adalimumab-Patienten, verglichen mit 4,8 Prozent der Methotrexat-plus-Placebo-Patienten.
Die Sicherheit des neuen TNF-alpha-Blockers prüfte die STAR-(Safety Trial of Adalimumab in Rheumatoid Arthritis-)Studie. 636 RA-Patienten erhielten zusätzlich zu ihrer bisherigen Therapie mit verschiedenen Basistherapeutika, NSAR und Corticoiden über 24 Wochen entweder Adalimumab (40 mg jede zweite Woche subkutan) oder ein Placebo. Die additive Behandlung führt zu keiner Erhöhung der Nebenwirkungsraten, mit Ausnahme von Lokalreaktionen an der Injektionsstelle, die unter Adalimumab etwas häufiger auftraten (19,5 versus 11,6 Prozent). Insbesondere kam es nicht zu einem Anstieg von Infektionen.
In einer im Doppelblindversuch durchgeführten, placebokontrollierten Studie (DE011) an 544 Patienten mit schwerer RA, die sich gegenüber mindestens vier herkömmlichen Basistherapeutika als therapierefraktär erwiesen hatten, erzielte die alleinige Behandlung mit Adalimumab über 26 Wochen eine deutliche Besserung der Krankheitssymptome, die bereits nach zwei Wochen offenkundig war. Mit 40 mg Adalimumab wöchentlich erreichten nach 26 Wochen 53,4 Prozent der Patienten den ACR20-Wert, 35 Prozent den ACR50-Wert und 18,4 Prozent den ACR70-Wert.
Dass die Verbesserung unter dem TNF-alpha-Blocker von Dauer ist, zeigt eine Langzeitstudie (DE010) an 54 RA-Patienten, die unzureichend auf Methotrexat
angesprochen hatten. Unter der Zusatzbehandlung mit Adalimumab sank die Krankheitsaktivität innerhalb der ersten drei Monate am stärksten ab. Der Trend setzte sich in abgeschwächter Form im weiteren Verlauf fort: Nach 18 Monaten sei der DAS-(Disease Activity-Score-) Schwellenwert von 2,4 (= niedrige Krankheitsaktivität) unterschritten worden und habe sich weiter verringert, über bisher 2,5 Jahre in der noch laufenden Studie, berichtete Emery.
Dr. med. Julia Rautenstrauch

Symposium „Anti-TNF-Therapy: Current Status, Future Promise“ der Firma Abbott im Rahmen des EULAR 2002 in Stockholm
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