ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2002Krankenkassen: Budgetierung überfällig

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Krankenkassen: Budgetierung überfällig

Dtsch Arztebl 2002; 99(43): A-2809 / B-2393 / C-2241

Flintrop, Jens

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LNSLNS Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt will die rasant steigenden Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen ab dem nächsten Jahr offenbar gesetzlich begrenzen. Dies solle Bestandteil eines Vorschaltgesetzes zu einer späteren Gesundheitsreform sein, hieß es aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG). Ein überfälliger staatlicher Eingriff: Im vergangenen Jahr erreichten die Netto-Verwaltungskosten der Krankenkassen mit 7,6 Milliarden Euro ein neues Rekordniveau. Dies geht aus dem Statistischen Taschenbuch Gesundheit 2002 hervor, das das BMG soeben herausgegeben hat. „Wenn alle im Gesundheitswesen weiterhin konsequent sparen müssen, dann können die Verwaltungskosten der Krankenkassen nicht länger außen vor bleiben“, kommentierte Dr. Manfred Richter-Reichhelm, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die Pläne, auch an den Verwaltungskosten der Krankenkassen den Sparhebel anzusetzen.
Der BMG-Statistik zufolge stiegen die Verwaltungskosten der Krankenkassen bundesweit seit 1991 um mehr als 60 Prozent. Der Anteil der Verwaltungskosten an den gesamten Leistungsausgaben der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung beträgt mittlerweile 5,9 Prozent. Im Jahr 2001 kletterten die Verwaltungskosten um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2000: 7,3 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Die Ausgaben für ambulante ärztliche Behandlung ohne Medikamente und Hilfsmittel erhöhten sich um 2,3 Prozent. Für das laufende Jahr ist zudem mit einem weiteren Anstieg der Verwaltungskosten bei den Kassen zu rechnen. Nach Angaben der Ministerin stiegen die Verwaltungsausgaben im ersten Halbjahr 2002 um 4 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.
Zu der Frage, wie streng und nach welchen Kriterien die Verwaltungskosten von AOK und Co. in Zukunft begrenzt werden sollen, äußerte sich das BMG bislang nicht. Presseberichte, wonach die Verwaltungsausgaben ab 2003 nicht stärker steigen sollen als Löhne und Gehälter, wie es § 71 SGB V zur Beitragssatzstabilität streng genommen bereits vorschreibt, hat Ulla Schmidt weder bestätigt noch dementiert. Wenn man bedenkt, dass im Internetzeitalter immer mehr Krankenkassen ihre Kunden nur noch „virtuell“ betreuen – was deutlich weniger Personal erfordert –, sollte die Ministerin auch rigidere Budgetierungsmaßnahmen in Erwägung ziehen. Jens Flintrop
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