ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2002Alzheimer-Krankheit: Kausaler Therapieansatz

AKTUELL: Akut

Alzheimer-Krankheit: Kausaler Therapieansatz

Dtsch Arztebl 2002; 99(43): A-2813 / B-2397 / C-2245

Mertens, Stephan

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LNSLNS Die Immunisierung von Alzheimer-Patienten mit synthetisch hergestelltem Beta-Amyloid könnte zu einer kausalen Therapie dieser neurodegenerativen Erkrankung führen. Die Arbeitsgruppe von Prof. Roger Nitsch, Universität Zürich, wies nach, dass mithilfe der Immunisierung von präaggregiertem Beta-Amyloid eine spezifische Immunreaktion hervorgerufen werden kann. Hierdurch könnte möglicherweise der Abbau der Beta-Amyloid-Ablagerungen, die das neuropathologische Charakteristikum der Alzheimer-Krankheit darstellen, ermöglicht werden. Wie Nature Medicine in der November-Ausgabe berichtet, wurden im Rahmen einer internationalen Multicenterstudie in Zürich 30 Alzheimer-Patienten rekrutiert. 24 Probanden erhielten zwei Injektionen von präaggregiertem Beta-Amyloid (Ab42), sechs Patienten wurden mit einem Placebo behandelt. Etwa zwei Monate nach der zweiten Injektion wurden das Serum sowie die Zerebrospinalflüssigkeit immunologisch charakterisiert. Die Seren färbten in immunhistochemischen Experimenten spezifisch Beta-Amyloid-Plaques, diffuse Ab-Ablagerungen sowie entsprechende Ablagerungen in Blutgefäßen.

Die Antikörper erkannten aber keine Beta-Amyloid-Monomere oder das Amyloid-Precursor-Protein, aus dem Beta-Amyloid durch proteolytische Spaltung entsteht. Dies ist von entscheidender klinischer Bedeutung, da sonst mit einer immunologischen Reaktion auf gesundes Gewebe hätte gerechnet werden müssen. „Die hohe Spezifität der Antikörper gegen die krankhaften Strukturen ist ein erstaunliches Ergebnis. Sie weist auf ein therapeutisches Potenzial der Immunisierungsstrategie hin“, fasst Nitsch die Ergebnisse zusammen. Allerdings musste die Gabe weiterer Immunisierungen im Rahmen dieser Studie vorzeitig abgebrochen werden, da weltweit bei einigen Patienten nach der Immunisierung eine Meningoenzephalitis auftrat, die jedoch erfolgreich mit einem Glucocorticoid behandelt wurde.

Frühere Studien an transgenen Mäusen haben gezeigt, dass durch eine Immunisierung mit dem eingesetzten Antigen die Amyloid-Ablagerungen abgebaut und die normale Gedächtnisfunktion der Tiere wieder erreicht werden kann. Ob sich diese Ergebnisse auch bei den Zürcher Patienten reproduzieren lassen, ist noch unklar. Erste Resultate der neuropsychologischen und klinischen Untersuchungen werden nach Angaben von Nitsch im nächsten Frühjahr erwartet. Dr. sc. nat. Stephan Mertens
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