ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2002Chronisch Rheumakranke: Versorgungsdefizite

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Chronisch Rheumakranke: Versorgungsdefizite

Winkler-Rohlfing, Borgi

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LNSLNS Die Versorgungssituation chronisch Rheumakranker verschlechtere sich zunehmend, kritisiert die Deutsche Rheuma-Liga.

Die Zahl der rheumatologischen Schwerpunktpraxen geht zurück. Viele Rheumatologen sind auf-grund der Vergütungsprobleme in den Hausarztbereich gewechselt. Zudem ist absehbar, dass weitere Rheumatologen in den kommenden Jahren in den Ruhestand treten werden. Nachfolger für die Schwerpunktpraxen sind aufgrund fehlender Ausbildungsmöglichkeiten und der schwierigen Honorarsituation nicht zu finden. Doch selbst dort, wo Nachfolger für die Praxen gefunden werden können, ist eine Zulassung aufgrund der Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigungen schwierig.
Die Zahlen der Kerndokumentation der regionalen Rheumazentren zeigen Qualitätsmängel in der hausärztlichen Versorgung auf: Rheumatologen leiten die erforderliche Basistherapie bei 70 Prozent der Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis bereits zu Beginn der Erkrankung ein, während nur bei 13 Prozent der vom Hausarzt geführten Patienten frühzeitig eine Basistherapie eingeleitet wird.
Defizite bei der stationären Versorgung befürchtet
Die Deutsche Rheuma-Liga, die mit mehr als 240 000 Mitgliedern größte Patientenorganisation Deutschlands, befürchtet zudem, dass viele Kranken-häuser aufgrund der zu geringen Fallpauschalen ihre rheumatologischen Abteilungen schließen werden. Eine Verschiebung von Leistungen aus dem stationären in den ambulanten Sektor kann aufgrund der desolaten Situation in der ambulanten Versorgung nicht aufgefangen werden.
Defizitär stellt sich auch die Lage in der Rehabilitation dar. Rehabilitationsmaßnahmen für Rheumakranke werden zu selten beantragt und bewilligt. Sehr viele Rheumapatienten haben trotz erheblicher Fähigkeitsstörungen und Beeinträchtigungen nie eine Rehabilitationsmaßnahme erhalten und werden trotzdem vorzeitig verrentet. Auch sekundär und tertiär präventive Maßnahmen werden immer weiter eingeschränkt, so zum Beispiel Knochendichtemessung für Patienten mit langfristiger Kortisoneinnahme, Sonnenschutzmittel für Lupus-Patienten sowie Funktionstraining und Rehabilitationssport.
Möglichkeiten der integrierten Versorgung nicht genutzt
Die Verzahnung zwischen den einzelnen Versorgungssektoren ist ebenfalls immer noch unzureichend. Die Möglichkeiten der integrierten Versorgung werden nicht genutzt, und auch für Disease-Management-Programme sind die entzündlichen rheumatischen Erkrankungen bisher nicht vorgesehen.
Die Versorgung muss besser koordiniert werden. Qualitativ hochwertige, strukturierte Behandlungsprogramme müssen entwickelt und eine angemessene Honorierung der Leistungen von ermächtigten und niedergelassenen Rheumatologen erreicht werden. Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssen in unterversorgten Regionen einen Sonderbedarf feststellen und Bewerber für Praxisplätze zulassen. Darüber hinaus müssen häufiger Ermächtigungen von Klinikärzten genutzt werden, um die Versorgung abzusichern. Präventive und rehabilitative Maßnahmen müssen ausgebaut werden.

Borgi Winkler-Rohlfing
Deutsche Rheuma-Liga – Bundesverband
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