ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2002Hochschulmedizin in Berlin: Die Vereinigung kommt

POLITIK

Hochschulmedizin in Berlin: Die Vereinigung kommt

Dtsch Arztebl 2002; 99(43): A-2831 / B-2409 / C-2255

Rieser, Sabine

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LNSLNS Der Senat will von 2006 an 98 Millionen Euro jährlich bei den Universitätsklinika einsparen. Eine Kommission rät nun, wie.

Vereint und verkleinert – knapper kann man die Empfehlungen zur Strukturreform in der Berliner Hochschulmedizin nicht zusammenfassen. In der vergangenen Woche präsentierte die vom Berliner Senat eingesetzte Kommission ihre Vorschläge in einem 126 Seiten umfassenden Gutachten. Darin wird geraten, beide Klinika in der Hauptstadt (siehe Textkasten) zu verschmelzen. Auch die Medizinischen Fakultäten sollen zusammengeführt werden.
Langfristig soll sich die Hochschulmedizin auf zwei statt auf vier Standorte konzentrieren: auf die Charité Berlin-Mitte und das Universitätsklinikum Benjamin Franklin (UKBF). Die universitären klinischen Forschungseinrichtungen in Buch blieben dem Konzept nach als Kooperationspartner des Max-Delbrück-Zentrums für Molekulare Medizin erhalten.
Die Zukunft des Virchow-Klinikums im Stadtteil Wedding (Teil der Charité) ist unklar. Dr. Winfried Benz, Vorsitzender der Kommission, hat gegenüber der „Berliner Zeitung“ betont, dass man die Sparvorgabe auch erfüllen könnte, wenn das Virchow Universitätsklinikum bliebe. Dagegen spricht die Ausrichtung: „Die Krankenversorgung steht dort im Vordergrund und nicht die Forschung.“ An der Charité hält man dagegen, dass die Standorte in Mitte und Wedding erst 1995 zu einer Einheit verbunden wurden. „Diese politisch gewollte Fusion darf man jetzt nicht rückgängig machen“, verlangte der Dekan der Charité, Prof. Dr. med. Joachim Dudenhausen. Würde das Virchow seinen Status als Universitätsklinikum verlieren, könnte das teuer kommen. Dort wurden in den vergangenen Jahren 1,5 Milliarden Euro verbaut, in erheblichem Umfang aus Bundesmitteln. Sie müssten zurückgezahlt werden.
Ob mit Virchow oder ohne: Das neue Klinikum wird im Jahr 2010 vermutlich nur noch 2 200 Betten vorhalten, ein Drittel weniger als heute. Bis dahin müssen zudem rund 2 500 Stellen abgebaut werden. Das soll nach Möglichkeit ohne Entlassungen geschehen, indem die übliche Fluktuation ausgenutzt und Personal umgesetzt wird.
Anerkannt wird in Berlin trotz der harten Vorgaben, dass sich die Kommission gründlich mit ihrer Aufgabe befasst hat. Folglich werden sehr konkrete Vorschläge unterbreitet, welches Angebot in Zukunft wo vorgehalten werden soll. Was aus den Empfehlungen wird, ist allerdings offen. Manchem im Senat behagt nicht, dass das komplette Sparziel erst 2010 erreicht werden kann. Von den ersten positiven Reaktionen der Betroffenen sollte man sich auch nicht täuschen lassen. „Die beiden Fakultäten sind im Augenblick noch so etwas wie verfeindete Brüder“, findet Benz. „Sie könnten jetzt versucht sein, noch so viel wie möglich im eigenen Interesse zu zementieren.“ Sabine Rieser
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