ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2002Gesundheitssystem: Unerwähnt – Patienten
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LNSLNS Auch wenn ich Prof. Dörners scharfsinniger Analyse unseres Gesundheitswesens in jedem Punkt nur zustimmen kann, so hat er doch die Rechnung zwar nicht ohne den Wirt, jedoch ohne den Gast gemacht, indem er die Rolle der Patienten im Geschehen nicht erwähnt. Wohl kaum ein Arzt wird einem Teenager Zigaretten, Alkohol oder Koffeindrinks empfehlen, ebenso wenig wie Verrohung durch Horrorvideos oder Nervenkitzel durch Risikoverhalten! Auch zu viel zu essen und sich nicht zu bewegen wird jungen Leuten von Ärzten ebenso wenig angeraten wie Erwachsenen – das machen diese Patienten ganz von sich aus und gegen alle gedruckten oder gesprochenen Warnungen. Genau damit aber beginnen jene chronischen Krankheiten, zu denen Prof. Dörner von uns eine grundsätzlich neue Einstellung fordert und deren Folgekosten unser Gesundheitswesen unbezahlbar machen: Man treibt Raubbau an Körper und Seele, holt mit Gift und Stress das Letzte heraus, privatisiert den „Gewinn“ an Image und Status und sozialisiert später die „Verluste“ in Form chronischer Folgeschäden zu Lasten der Solidargemeinschaft (ganz nach dem Vorbild der „freien“ Wirtschaft). Daran aber trägt die – ansonsten von Dörner zu Recht kritisierte – Anbieterseite im Gesundheitswesen keine Schuld; sie steht diesem Geschehen im Gegenteil ziemlich hilflos gegenüber, denn zu Risiken und Nebenwirkungen solchen Tuns fragt der Patient weder Arzt noch Apotheker.
Dr. med. Wolfgang E. Reuber, Sollinger Straße 24, 83317 Teisendorf
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