ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2002Sprue/Zöliakie: Ergänzungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Den Autoren ist es zu danken, dass sie auf die vielfältigen Probleme der Zöliakie hinweisen. Gleichzeitig erfordert der Report aber einige Ergänzungen. So wird nicht erwähnt, dass bereits seit 1990 unter Berücksichtigung der Zöliakie-Serologie nicht mehr die Durchführung von insgesamt drei Biopsien der Duodenalschleimhaut (erste Biopsie bei initialer Symptomatik, zweite Biopsie unter glutenfreier Diät, dritte Biopsie unter Glutenbelastung), sondern bei Patienten über dem zweiten Lebensjahr nur noch eine Biopsie im Rahmen der initialen Manifestation unter glutenhaltiger Kost empfohlen wird; die Einführung der Zöliakie-Serologie erübrigt jedoch nicht den Nachweis der Reversi-
bilität von klinischen und
serologischen Befunden
(ESPGHAN-Kritierien). Basierend auf diesem Standard, wurde kürzlich auch die erste Prävalenz-Studie für Deutschland durchgeführt.
Der von den Autoren erwähnte Dot-Blot-Test zum Nachweis von Antikörpern gegen die Gewebstransglut-
aminase wurde bisher erst in einer Studie im Jahre 2000 veröffentlicht, in der im Vergleich zu den zahlreichen Studien des Endomysium- und inzwischen auch des Transglutaminase-Antikörpers lediglich 19 unbehandelte Zöliakie-Patienten getestet wurden. In Ermangelung eines Goldstandards in der Zöliakie-Diagnostik ist es problematisch, Spezifität und Sensitivität von serologischen Zöliakie-Assays bei 100 % bzw. 96 % zu bewerten.
Um die Frage des „Massenscreenings“ der Zöliakie zu beantworten, muss geklärt werden, welche Komplikationen der klassischen als auch nicht klassischen Zöliakie-Formen mit der unbehandelten Zöliakie zusammenhängen und welche durch eine glutenfreie Diät (in welchem Ausmaß) verhindert werden. Während sekundäre Autoimmunerkrankungen von den Autoren des Medizinreports als „schwere Komplikationen“ bezeichnet werden, erwähnen die Autoren das bei der unbehandelten Zöliakie vermehrte Krebsrisiko, insbesondere die Malignome des Gastrointestinaltraktes einschließlich der prognostisch ungünstigen T-Zell-Lymphome überhaupt nicht. Auch andere Komplikationen der Zöliakie wie z. B. Osteoporose und das bei unbehandelten Zöliakie-Patientinnen vermehrte Auftreten von Infertilität, Fehl- und Frühgeburten sind für die Entscheidung eines generellen Screenings der Bevölkerung zu berücksichtigen. Es besteht jedoch Konsens, dass bei einer Reihe von Erkrankungen nach einer Zöliakie serologisch gescreent werden sollte. Es zählen neben den erwähnten Erkrankungen Dermatitis herpetiformis, autoimmune Thyreoiditis als auch Kleinwuchs, Osteoporose, Infertilität, neurologische und
psychiatrische Erkrankungen unklarer Genese dazu.
Literatur beim Verfasser
Prof. Dr. K.-P. Zimmer, Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung e. V., Klinik für Kinderheilkunde, Universitätsklinikum, Albert-Schweitzer-Straße 33, 48149 Münster
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema