ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2002Mammadiagnostik: Präziser „tasten“ durch MR-Elastographie

VARIA: Technik

Mammadiagnostik: Präziser „tasten“ durch MR-Elastographie

Dtsch Arztebl 2002; 99(43): A-2875 / B-2445 / C-2283

Sass, Wolfgang

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Die MR-Elastographie könnte, ergänzend zur Röntgen-Mammographie und kombiniert mit der MRT, ein Verfahren sein, um Gewebeentnahmen zu verringern. Werkfoto
Die MR-Elastographie könnte, ergänzend zur Röntgen-Mammographie und kombiniert mit der MRT, ein Verfahren sein, um Gewebeentnahmen zu verringern. Werkfoto
Oft werden Mammakarzinom-verdächtige Befunde biopsiert. Von diesen Gewebeentnahmen erweisen sich aber mehr als 80 Prozent als unnötig. Daran erinnerte Dr. Ralph Sinkus (Philips-Forschungslabor, Hamburg). Der Frühdiagnose dienen bisher neben dem manuellen Abtasten die Röntgenmammographie und der Ultraschall. Zusätzlich sind jedoch zuverlässigere Methoden zur Befundbeurteilung und vor allem zur Verringerung der unnötigen Gewebeentnahmen nötig. Die neu entwickelte MR-Elastographie, eine Art elektronischen Abtastens innerhalb des Gewebes, ergänzend zur Röntgen-Mammographie und kombiniert mit der Magnet-Resonanz-Tomographie, könnte nach bisherigen Daten ein solches Verfahren sein. Dies war Fazit einer Pressekonferenz der Firma Philips in Hamburg. Mit dieser Methode ließe sich die Frage der Gut- oder Bösartigkeit ohne Biopsie und zusätzliche Röntgenbelastung besser klären. Durch Einbringen von Schallwellen ins Gewebe, Messung der Wellenmuster und entsprechend integrierte Berechnung, umgesetzt in eine Farbskala, lassen sich Schicht um Schicht Elastizität und Härte verdächtiger Befunde beurteilen. Gut- und bösartige Tumoren zeigten sich unterschiedlich elastisch, ebenso etwa sklerosierende gutartige Tumoren, normales Gewebe und Fett, alle mit eigenem Muster. Neu ist, dass auch die Achselhöhlen erfasst werden. Die Elastographie entdecke auch manuell schwer tastbare Tumoren von nur 4 mm Größe tief im Zentrum der Brust und in Rippennähe, berichtete Sinkus.
Nach weiterer klinischer Erprobung für zwei Jahre ist die Produkteinführung geplant. Das Gerät kann bei vorhandenem Magnet-Resonanz-Scanner integriert werden. Die Untersuchung nimmt zehn Minuten in Anspruch. Absolute Eindeutigkeit bei der Einschätzung von Bösartigkeit sei auch mit diesem bildgebenden Verfahren nicht möglich, da es auch gutartige Tumoren von vergleichbar harter Konsistenz gebe, räumte Sinkus ein. Die Treffsicherheit könne dann durch „Symbiose“ mit dem MR-Scanning erheblich erhöht werden. In entsprechenden Tests waren außerdem aufgrund radiär aufgebauter, schwammartiger Tumorstrukturen zwei von 70 Beurteilungen falschnegativ. Bisher könne kein bildgebendes Verfahren alle Graubereiche sauber trennen. In der Diskussion wies Sinkus darauf hin, dass die MR-Elastographie auch zur Untersuchung anderer Krebsarten dienen könne, und zum Beispiel bei der Prostata „sofort applikabel“ sei, ohne dass bisher aber Daten dazu vorlägen. Wolfgang Sass
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