ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1996Psychotherapie: Bedarfsplanung soll verbessert werden

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Psychotherapie: Bedarfsplanung soll verbessert werden

Weber, Ingbert

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LNSLNS Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI), Köln, hat ein Forschungsprojekt gestartet, das geeignete Indikatoren für die Bedarfsplanung der psychotherapeutischen Versorgung ermitteln soll. Das vom Bundesministerium für Gesundheit und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung geförderte Projekt soll Aufschluß darüber geben, in welchem Umfang Psychotherapieangebote vorgehalten werden müssen, damit die Zahl der unversorgten Therapiebedürftigen möglichst klein bleibt.
In mehreren Regionen der Bundesrepublik werden Daten über das psychotherapeutische Angebot, die Nachfrage und den fachlich definierten Bedarf erhoben. Daß nach regionalen Aspekten differenziert werden muß, belegen die Resultate einer Vorstudie der Koordinationsstelle für die psychotherapeutische Versorgung in Koblenz ("Koblenzer Modell"): Im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Koblenz wurde festgestellt, daß ein Versorgungsungleichgewicht zwischen städtischen und ländlichen Gebieten besteht. Zudem befanden sich in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung Praxisformen mit unterschiedlichen Behandlungskapazitäten und einem differenten Leistungsspektrum. Selbst wenn man das Therapieangebot zur hauptsächlichen Planungsgrundlage machen wollte, würde es daher nicht ausreichen, lediglich die Anzahl der Anbieter zu berücksichtigen.
Daher wird man Vorschläge erarbeiten, die von der bisher praktizierten Bedarfsplanung abweichen, bei der die fachgruppenspezifischen Arzt-Einwohner-Relationen das wesentliche Planungskriterium darstellen. Die im ambulanten Bereich Psychotherapie praktizierenden Ärzte und Psychologen sind in unterschiedlichem Maß psychotherapeutisch tätig. Die Spezialisierung auf verschiedene Therapieverfahren (zum Beispiel: Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, tiefenpsychologische Therapie) sowie die Präferenz für unterschiedliche Therapieformen (Kurzzeittherapie, Langzeittherapie, Gruppentherapie) erschweren die Bedarfsplanung zusätzlich. Das jeweils verfügbare Angebot muß also sowohl nach quantitativen als auch nach qualitativen Aspekten analysiert werden. Darüber hinaus sind Untersuchungen über die Nachfrage- und Bedarfssituation erforderlich, um Aussagen über eine Unter- oder Überversorgung treffen zu können.


Kooperation mit KVen
Dank der Kooperationsbereitschaft und des Engagements der Kassenärztlichen Vereinigungen Bayern, Koblenz, Nordrhein und eventuell Südbaden und Mecklenburg-Vorpommern ist es möglich, das Projekt auf breiter Datenbasis durchzuführen. Sie richten zur Zeit Koordinationsstellen für die psychotherapeutische Versorgung ein, die dem Forschungsprojekt zur Ermittlung der Angebots- und Nachfragesituation dienen. Den Patienten bieten sie zunächst einen Service an. Sie vermitteln Behandler beziehungsweise Behandlungstermine, um den nicht selten langwierigen Suchprozeß zu verkürzen. Damit Bedarfsplanung nicht vom "grünen Tisch" aus erfolgt, sondern in enger Zusammenarbeit mit der Berufsgruppe, die die Versorgung in diesem Bereich gewährleistet, wird auf die Mitarbeit der Psychotherapeuten am Forschungsprojekt besonderer Wert gelegt. Kommunikation, Koordination und Kooperation aller an der psychotherapeutischen Versorgung Beteiligten sind für das Gelingen des Vorhabens zentrale Voraussetzung. Die Anfänge sind vielversprechend.
Dr. phil. Ingbert Weber, Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung, Köln

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