ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2002Krankenhaus: Der Schaden ist heute schon sichtbar
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LNSLNS Endlich kommen die beiden Verfasser, die in unzähligen Veröffentlichungen das DRG-System „verherrlicht“ haben, zur Ernüchterung. Endlich denken sie jetzt auch „mehrdimensional“, indem sie die bei den unterschiedlichen Krankenkassenartenstrukturen sich dramatisch verändernden Zahlungsströme und mögliche Krankenkassenpleiten erkennen. Und doch scheint beiden Verfassern nicht geläufig zu sein, dass die Krankenkassen den Krankenhäusern heute schon erbarmungslos nicht nur Budgetsteigerungsraten weit unter Kostenentwicklung „abpressen“, sondern auch jeden einzelnen Krankenhausbehandlungsfall hinsichtlich Notwendigkeit und Dauer der Krankenhausbehandlung und auch hinsichtlich der Abrechnungskombinationen nervend hinterfragen. Dass bereits nach heutigem Abrechnungssystem allein zu Abrechnungskombinationen zu Fallpauschalen und Sonderentgelten etliche Verfahren bis zum Bundessozialgericht getrieben wurden, mag ein Vorgeschmack darauf sein, was den deutschen Krankenhäusern unter dem DRG-System „blüht“. Der Schaden des insbesondere von „Wissenschaftlern“, Politikern und Ministerialbeamten gepriesenen Fallpauschalensystems ist heute schon sichtbar:
- Zigtausende frustrierter Krankenhausärzte, die zum Zwecke der Codierung immer mehr vom Patientenbett an die Computer gezwungen werden.
- Heerscharen von Medizincontrollern, also Ärzten, die sich nicht um Hilfe suchende Patienten zu kümmern brauchen, sondern die ausschließlich einnahmesichernden Aufgaben nachgehen, ohne dass eine Gegenfinanzierung der Stellen über die Budgets gesichert ist.
- Heerscharen von ärztlichen Spezialisten für Vergütungssysteme nicht nur beim Medizinischen Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung, sondern auch bei einzelnen Krankenkassen.
Durch die „Ersatzvornahme“ in Form einer Rechtsverordnung können Politik und Ministerialbürokratie jetzt „Qualität“ zeigen, die von ihnen gesetzten Rahmenbedingungen des Fallpauschalengesetzes so plausibel umzusetzen, dass es jedermann bei den Krankenhäusern und bei den Krankenkassen „kapiert“. Jedenfalls zeigt das Gesetz, dass z. B. bei Verlegungen in ein anderes Krankenhaus Abschläge von den Fallpauschalen nach komplizierten vorgegebenen Formeln zu berechnen sind. Vielleicht sollte man die für das Fallpauschalensystem verantwortlichen Politiker und Ministerialbeamten vor deren Aufnahme in eines der 2 200 deutschen Krankenhäuser bitten, die Rechenformeln für den Fall ihrer eventuellen Verlegung in ein anderes Krankenhaus zu lösen. Da würde sich dann bei dem einen oder anderen Politiker oder Ministerialbeamten die Krankenhausaufnahme um Wochen verschieben.
Peter Tischmann, St. Clemenshospitale Sterkrade gGmbH, Wilhelmstraße 34, 46145 Oberhausen
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