ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2002Arzneimittel: Klare Worte

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Arzneimittel: Klare Worte

Dtsch Arztebl 2002; 99(44): A-2924 / B-2484 / C-2327

Clemens, Norbert

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LNSLNS Als Arzt in der pharmazeutischen Industrie habe ich mit großer Genugtuung den Beitrag zum Thema Arzneimittelausgaben gelesen. Die seit Jahren gebetsmühlenartig wiederholten Vorwürfe der Krankenkassen, die jährlichen Defizite der Kassen beruhten wesentlich auf den Mehrausgaben für steigende Verordnungen von Arzneimitteln, sind durch den Beitrag ins rechte Licht gerückt worden. Gescholten werden aber nicht nur die Ärzte, sondern auch und vor allem die Pharma-Industrie.
In der Tat liegt der Anteil der Arzneimittelausgaben an den GKV-Gesamtausgaben bei 16 Prozent. Man sollte allerdings bedenken, dass die pharmazeutischen Unternehmen das gesamte Entwicklungsrisiko von Arzneimitteln tragen, die Zulassung bei den zuständigen Behörden beantragen und aufrechterhalten und die Arzneimittel herstellen und vertreiben müssen. Die Entwicklung neuer oder verbesserter Arzneimittel ist aufgrund der regulatorischen Vorgaben sehr kostenintensiv. Trotzdem erhalten die Unternehmen nur etwa die Hälfte der 16 Prozent der GKV-Gesamtausgaben. Die andere Hälfte teilen sich Großhandel und Apotheken.
Daraus ergibt sich, wie milchmädchenhaft vonseiten der GKV-Kassen gerechnet wird: Man behauptet seit Jahren, dass Einsparungen im Arzneimittelsektor den restlichen Bereich der Kassenfinanzierung konsolidieren könnten. Einsparungen in einem Bereich, der 8 bzw. 16 Prozent der gesamten Kosten repräsentiert, retten die verbleibenden 92 bzw. 84 Prozent? Das ist schlichtweg dummes Zeug.
Frau Korzilius weist völlig korrekt darauf hin, „es wäre durchaus lohnend, die anderen Beitragssatztreiber zu identifizieren – allen voran versicherungsfremde Leistungen . . .“.
Vielen Dank für diese klaren Worte.
Dr. med. Norbert Clemens, Epernayer Straße 24, 76275 Ettlingen
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