ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2002Investmentfonds: Gewinner in der Baisse

VARIA: Wirtschaft

Investmentfonds: Gewinner in der Baisse

Dtsch Arztebl 2002; 99(44): A-2957 / B-2293 / C-2089

Löwe, Armin

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Chaos an den Börsen: Nur wenige Fondsmanager behielten zuletzt den Überblick und bescherten den Anlegern Wertzuwächse. Foto: ddp
Chaos an den Börsen: Nur wenige Fondsmanager behielten zuletzt den Überblick und bescherten den Anlegern Wertzuwächse.
Foto: ddp
Trotz anhaltender Talfahrt an den Börsen gelang
es einigen Fondsmanagern, Gewinne zu erzielen.

Wenn weltweit die Kurse auf Talfahrt gehen – wie seit 30 Monaten der Fall –, kann es kaum Fonds geben, die den Anlegern einen Wertzuwachs beschert haben, denken viele. Doch es gibt diese Anlagemöglichkeiten, die nicht nur die Verluste in Grenzen gehalten, sondern sogar ein Plus gebracht haben.
Mit Goldfonds wäre der Anleger in der Baisse sehr gut gefahren. Der beste Fonds, der in Aktien der Goldminen investiert, der PEH-Goldmines, brachte den Anlegern in den letzten drei Jahren (per 20. September 2002) ein Plus von 111 Prozent (!) – in einer Zeit, da die weltweit anlegenden Fonds im Durchschnitt Verluste von 33 Prozent einfuhren. Aber welcher Berater hat in dieser Zeit zu Goldminen geraten, welcher Anleger wäre diesem Ratschlag gefolgt? Gold schien völlig out, als die Spekulationsblase der Technologiewerte platzte.
Auch mit einigen gemischten Fonds, die in Anleihen und Aktien anlegen dürfen, wäre ein Investor zuletzt glimpflich davongekommen. Aber mit reinen Aktienfonds war es schon ein Kunststück, der Kurstalfahrt zu entkommen. Aber wie war es bei den international anlegenden Aktienfonds, bei denen der Anleger die Entscheidungen völlig dem Fondsmanager überlässt? Hier entscheidet der Fondsmanager, in welche Regionen investiert wird, welche Einzeltitel gekauft werden und wie hoch die liquiden Mittel sind, die gehalten werden. Allerdings muss der Fonds bei den liquiden Mitteln das Investmentrecht beachten. Bei Aktienfonds müssen mindestens 51 Prozent des Fondsvermögens in Aktien investiert sein. Höchstens 49 Prozent des Fondsvermögens darf liquide gehalten werden.
In der Fondskategorie der weltweit anlegenden Fonds, die wie der Zehnkampf in der Leichtathletik als die Königsdisziplin für die Fondsmanager gilt, gibt es Fonds, die ihren Anlegern in der Baisse einen Wertzuwachs brachten.
Im Dreijahresvergleich der Beste ist der Global Advantage Major Markets (WKN: 972580) mit einem Plus von neun Prozent. Der Fonds wird vom Deutschen Michael Keppler von New York aus gemanagt. Wie die meisten der in der Baisse erfolgreichen Fonds folgt auch Keppler dem Value-Ansatz, der seit Ende der Technologiehausse wieder die deutlich besseren Ergebnisse zeigt. Die Technologiehausse war geprägt vom Growth-Gedanken, wonach vor allem in Wachstumsaktien investiert werden müsse. Dementsprechend waren Gewinn- und Umsatzwachstum bis März/ April 2000 die wichtigsten Auswahlkriterien bei der Aktienanlage. Die Value-Strategen achten dagegen auf ein geringes Kurs-Gewinn-Verhältnis und ein niedriges Kurs- Substanzwert-Verhältnis sowie eine hohe Dividendenrendite.
Auch der Klassiker unter den weltweit anlegenden Aktienfonds, der Templeton Growth (WKN: 971025), ist mit einem Wertzuwachs von 4,9 Prozent in den letzten drei Jahren mit einem kleinen Gewinn durch die Baisse gekommen. Allerdings in den letzten zwölf Monaten und im bisherigen Jahresverlauf musste der Erfolgsfonds, der älteste und größte seiner Kategorie hierzulande, auch Federn lassen. Der Templeton Growth ist ebenfalls ein Value-Fund, auch wenn er Wachstum im Namen führt. Die Templeton-Gruppe ist berühmt für ihre Value-Strategie. Der Name soll lediglich zum Ausdruck bringen, dass der Fonds für den Anleger langfristig Wachstum des Vermögens anstrebt. Das hat er auch geschafft: In zehn Jahren erzielte er einen Wertzuwachs von 267,50 Prozent.
Flexibilitätsvorteile bei kleinem Fondsvermögen
Gut überstanden hat die Baisse auch der WM-Aktien Global USD UI Fonds (WKN: 978189), der von der Wolfgang Mayr Vermögensverwaltung, München, gemanagt wird (plus 2,8 Prozent). Dieser Fonds hat nur ein Minivermögen von knapp zehn Millionen Euro gegenüber 13,6 Milliarden Dollar des Templeton Growth. Einen kleinen Fonds zu managen ist leichter, als ein Schwergewicht zu verwalten. Denn: Ein schneller Wechsel von einer Aktie in die andere oder eine Aufstockung der Liquidität ist bei einem kleineren Vermögen marktschonender möglich als bei einem großen.
Erst ein Jahr nach dem Platzen der Spekulationsblase aufgelegt wurde der BG Global Dynamic (WKN: 608149). Er brachte in den letzten zwölf Monaten, als auch die anderen erwähnten Fonds in die Verlustzone rutschten, immerhin ein Plus von 30,7 Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf 2002 steht ein Gewinn von 6,3 Prozent zu Buche. Allerdings: In den letzten sechs Monaten musste auch dieser Fonds Einbußen hinnehmen. Der BG Global Dynamic ist ein Dachfonds, der nicht in einzelne Aktien, sondern in andere Fonds anlegt. Aber wie schafft es Fondsmanager Bernd Greisinger, eine positive Performance zu erzielen, wenn die meisten anderen Fonds deutlich Federn lassen mussten? Greisinger legt immer sehr kurzfristig an. Er hält die einzelnen Fonds manchmal nur wenige Tage und geht dann in einen anderen Fonds. Leisten kann er sich das, weil er als Dachfonds keine Ausgabeaufschläge zu zahlen hat wie die Privatanleger. Das ist ein branchenübergreifendes Agreement.
Ein Fonds, der erst nach Platzen der Spekulationsblase aufgelegt wurde (Oktober 2002) und derzeit gezielt von der Baisse profitiert, ist der HPM Timing Global Plus (WKN: 764933), der bis zu 50 Prozent Baissespekulationen (über Verkauf von Call-Optionen und Kauf von Puts) eingehen kann. Diese Möglichkeiten hat er bislang stark genutzt. Zudem ist der Fonds Haussepositionen in Goldminen eingegangen. Aber der Fonds von Fondsmanager Henry Littig soll kein ausgesprochener „Baisse-Fonds“ sein. Er würde auch auf Hausse spekulieren, wenn er dafür Signale sehen würde. Aber bislang hat er diese nicht gesehen.
Armin Löwe
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