ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2002Anlagestrategie im Alter: Rendite kontra Sicherheit

VARIA

Anlagestrategie im Alter: Rendite kontra Sicherheit

Dtsch Arztebl 2002; 99(44): A-2960 / B-2525 / C-2344

Jobst, Peter

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Eberhard Hahne
Foto: Eberhard Hahne
Der richtige Umgang mit Geld will gelernt sein. Dies gilt gerade nach dem Eintritt in den Ruhestand, wenn aus dem angesparten Kapital eine zweite Rente finanziert werden soll.

Vor Eintritt in den Ruhestand empfiehlt sich eine konkrete Bestandsaufnahme, also die Zusammenstellung aller Vermögenswerte, die für die kommenden Jahre zur Verfügung stehen. Die Einkünfte aus dem aktiven Berufsleben fallen weg, an ihre Stelle treten die Versorgungsleistungen etwa aus den ärztlichen Versorgungswerken. Hinzu kommen meist weitere regelmäßige Einnahmen, zum Beispiel aus der Vermietung von Immobilien oder aus bereits in die Auszahlungsphase übergegangenen privaten Rentenversicherungen.
Entscheidend für die weitere Planung ist, ob die Versorgungsansprüche für den gewünschten Lebensstandard im Alter ausreichen. Bewährt hat sich hierbei die Aufstellung eines „Haushaltsplans“: Auf Basis der bisherigen Erfahrungswerte wird kalkuliert, welche Beträge in welchen Monaten für die einzelnen „Etatposten“ erforderlich sind. Manche Positionen, etwa die Ausgabe für Hobbys, werden sich dabei erhöhen, andere, wie die Ausgaben für Berufskleidung, werden sich reduzieren oder wegfallen.
Deutlich zurückschrauben lässt sich in dieser Phase der Versicherungsschutz. Notwendige Versicherungen wie die private Haftpflichtversicherung sind zwar weiterhin unverzichtbar, wohl aber kann die Berufs-Haftpflichtversicherung – sofern noch nicht in Zusammenhang mit der Aufgabe der Berufstätigkeit geschehen – gekündigt werden. Kaum noch sinnvoll erscheinen auch Lebensversicherungen und Berufsunfähigkeitsversicherungen.
Achten sollte der Arzt darauf, dass bestehende Versicherungen möglicherweise umgeschrieben werden müssen. Wenn etwa das Wohnhaus mit der Praxis an Sohn oder Tochter übertragen wird, sind auch die entsprechenden Immobilien- beziehungsweise Betriebsversicherungen mit zu übertragen – eine doppelte Versicherung bringt hier keine Vorteile.
Besonderes Augenmerk sollte dem Kran­ken­ver­siche­rungsschutz gewidmet werden. Sofern nicht besondere Gründe wie etwa ein bevorstehender Kranken­haus­auf­enthalt dagegensprechen, können das Krankentagegeld und das Krankenhaustagegeld möglicherweise reduziert werden. Denn: Es müssen keine Einnahmeausfälle mehr überbrückt werden.
Ebenfalls wichtig ist es, spätestens jetzt eventuell noch bestehende Verbindlichkeiten – nach Möglichkeit – zu tilgen. Denn die Darlehenszinsen sind in aller Regel höher als jeder erzielbare Guthabenzins, zudem sind mit aufgenommenen Geldern im Rentenalter üblicherweise auch keine steuerlichen Vorteile mehr verbunden.
Stellt sich beim Vergleich der Einnahmen mit den Ausgaben heraus, dass die regelmäßigen Aufwendungen durch die laufenden Einnahmen abgedeckt sind, besteht nur geringer Handlungsbedarf. In diesem Fall kann das Vermögen einschließlich Zinsen für den Nachwuchs angelegt bleiben.
Auf Überschaubarkeit achten
Für die Daueranlage eignen sich prinzipiell jene Anlageprodukte, die auch in jüngeren Jahren interessant waren. Besonderen Wert sollte der Ruheständler allerdings auf die Frage der Sicherheit legen. Zwar kann es durchaus spannend sein, sich in größerem Umfang an den Aktienmärkten zu engagieren, im Fall einer Baisse sind jedoch – dies zeigen die vergangenen Jahre – bedeutende Vermögensverluste nicht auszuschließen. Sinnvoller ist daher eine Anlage in festverzinslichen Wertpapieren aus unter-schiedlichen Laufzeitbereichen sowie in anderen, eher sicheren Anlageformen. Dabei sollte man großen Wert auf die Überschaubarkeit der Fälligkeiten legen. Papiere mit 30-jähriger Restlaufzeit und Beteiligungen an Geschlossenen Immobilienfonds mit jahrzehntelangen Bindungszeiten sollten allenfalls dann gewählt werden, wenn auch zwischenzeitliche Ausstiegsmöglichkeiten ohne nennenswerte Risiken geboten sind.
Eine Sonderstellung nimmt die vermietete Immobilie ein. Besteht kein Kapitalbedarf, kann diese Investition trotz ihrer Langfristigkeit durchaus beibehalten werden, sofern – und dies sollte eine wichtige Voraussetzung sein – kein Ärger mit dem Mieter droht und die Mietzahlungen regelmäßig geleistet werden. Für die Beibehaltung spricht insbesondere die steuergünstige Übertragung der Immobilie im Todesfall. Denn nach wie vor werden Immobilien gegenüber den meisten anderen Formen der Geldanlage steuerlich begünstigt, sodass sich gerade bei größeren Vermögen Vorteile bei der Erbschaftsteuer ergeben können. Ohnehin sollte mit zunehmendem Alter die Frage nach der Vermögensübertragung an die Erben gestellt werden, insbesondere wenn größere Geldbeträge zur Disposition stehen. Interessant kann auch eine frühzeitige Schenkung sein: Da bei der Berechnung der Erbschaftsteuer nur Schenkungen berücksichtigt werden, die innerhalb von zehn Jahren vor dem Erbfall vorgenommen wurden, lassen sich auf diesem Weg auch größere Kapitalvermögen übertragen. Im Übrigen verdoppeln sich die geltenden Freibeträge, wenn beide Ehepartner Schenkungen vornehmen.
Anders ist die Lage, wenn die gesammelten Versorgungsansprüche nicht ausreichen, den Lebensstandard zu sichern. Hier stellt sich zunächst die Frage nach den vorhandenen Erfahrungen und – im besonderen Maß – nach der Zeit, die für die Geldanlage aufgewendet werden kann. Bei geringer Erfahrung und/ oder wenig Zeit sollten möglichst „pflegeleichte“ Produkte gewählt werden, die keine regelmäßige Beobachtung und allenfalls wenige Umschichtungen pro Jahr erforderlich machen, aber dennoch eine regelmäßige Rentenzahlung bieten.
Damit sind zwar oftmals gewisse Nachteile, zum Beispiel bei der Rendite, verbunden, weil sich die Finanzdienstleister diesen Service meist teuer bezahlen lassen. Dafür muss sich der Anleger jedoch auch um nichts kümmern, vielmehr steht das erforderliche Kapital – ähnlich wie die Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung – in regelmäßigem Turnus zur Verfügung.
Rückzahlungsmodelle
Zum Kapitalverzehr, der nur ein geringes Zutun erfordert, bieten Finanzdienstleister unterschiedliche Modelle an:
- Sparkassen und Banken offerieren Rückzahlungspläne, die meist auf einem Sparkonto mit dreimonatiger Kündigungsfrist basieren. Hierbei ist die Anlage eines Kapitalbetrags von mindestens 5 000 bis 10 000 Euro vorgesehen, aus dem das Institut regelmäßig einen bestimmten, zuvor festgelegten Betrag als monatliche oder vierteljährliche „Rente“ überweist. Bei Abschluss kann festgelegt werden, ob das Kapital erhalten bleiben oder innerhalb eines bestimmten Zeitraums aufgebraucht werden soll. Verzinst werden derartige Rückzahlungspläne derzeit mit zwei bis drei Prozent – mithin deutlich niedriger als zum Beispiel festverzinsliche Wertpapiere. Dafür genießt ein solcher Sparplan aber auch den Vorteil der einfachen Abwicklung sowie ein hohes Maß an Sicherheit.
- Versicherungsgesellschaften bieten private Rentenversicherungen mit sofortigem oder aufgeschobenem Rentenbeginn an. Pluspunkt dieser Methode ist die unkomplizierte Verwaltung, wird die Rente doch meist lebenslänglich gezahlt. Anleger brauchen sich also auch dann keine Gedanken um die Zahlungen zu machen, wenn sie etwa infolge einer schweren Krankheit bettlägerig sind oder der Pflege bedürfen. Positiv ist weiterhin die steuerliche Behandlung zu bewerten, unterliegt doch lediglich der niedrige Ertragsanteil – der sich nach dem Alter bei Beginn der Rente richtet – der Einkommensteuer. Nachteilig ist bei vielen Tarifen allerdings die Tatsache, dass die Rente allenfalls über fünf bis zehn Jahre garantiert wird. Stirbt der Rentenbezieher nach Ablauf der Garantiezeit, ist das gesamte angelegte Kapital verloren.
- Kapitalanlagegesellschaften bieten Investment-Anlagekonten mit regelmäßigen Rückzahlungsraten, die nach Belieben festgelegt, aber auch jederzeit ausgesetzt werden können. Hier richtet sich die Rendite vorrangig nach der gewählten Fondsart, wobei Rentenfonds ein hohes Maß an Sicherheit bieten, während Aktienfonds Chancen auf interessante Erträge beinhalten. Bedenken sollte man dabei jedoch, dass sich der in der Ansparphase vorteilhafte Cost-Average-Effekt in der Rückzahlungsphase negativ auswirkt, sodass sich die ohnehin bereits hohe Kostenbelastung einer Fondsanlage nochmals erhöht.
Die Vermögensverwaltung als neues „Hobby“
Ist hingegen ausreichend Zeit vorhanden, sich um die Geldanlage zu kümmern, kann es interessant sein, sich mit den verschiedenen Modellen genauer auseinander zu setzen. Nicht wenige Rentner finden in der „persönlichen Vermögensverwaltung“ sogar ein neues „Hobby“, das allein oder zum Beispiel im Rahmen eines Investmentclubs gepflegt wird. In diesem Fall kann beispielsweise die Geldanlage in festverzinslichen Wertpapieren interessant sein, die in Höhe des jeweils benötigten Kapitalbetrags verkauft werden.
Auch hier steht jedoch wieder die Frage nach der Sicherheit im Vordergrund. Spekulativ, also zum Beispiel in Aktien, sollten stets nur solche Gelder angelegt werden, deren Verlust notfalls verkraftbar erscheint. Für planmäßige Entnahmen sollten indes möglichst risikoarme Produkte ausgewählt werden.
Gerade bei regelmäßigem Kapitalbedarf sollte auch die vermietete Immobilie einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Sind die Mietzahlungen im Verhältnis zu dem hier gebundenen Wert angemessen und ist ihre regelmäßige Zahlung sichergestellt, dann spricht wenig gegen eine Fortsetzung dieser Anlage. Vielfach wird es jedoch günstiger sein, die Immobilie zu veräußern und den Erlös am Kapitalmarkt anzulegen, da hier oftmals höhere Erträge erzielbar sind und zudem eine größere Flexibilität bei Entnahmen besteht.
In jedem Fall lohnt sich mit dem Ruhestandsbeginn ein ausführliches Gespräch mit dem Bankberater, der aufgrund der individuellen Verhältnisse prüfen kann, welche regelmäßigen Kapitalentnahmen möglich sind, ohne den Lebensstandard langfristig zu gefährden. Keinesfalls sollte man sich dabei jedoch in eine Richtung drängen lassen und zum Beispiel einen Rentensparplan bei Bank oder Sparkasse abschließen, sondern erst nach Festlegung des persönlichen Bedarfs weitere Entscheidungen treffen. Dies gilt im Übrigen auch in Zusammenhang mit Offerten von Versicherungsvertretern, deren Aufgabe es ist, fällige Gelder möglichst „im eigenen Haus“ zu halten.
Darüber hinaus sollte die Vermögensentwicklung in regelmäßigem Turnus, also alle ein bis zwei Jahre, überprüft werden. Viele Rentner gehen gerade nach Beginn ihres Ruhestands unter Verweis auf das hohe Anlagekapital allzu sorglos mit ihren Finanzen um, ein böses Erwachen ist nach einigen Jahren programmiert. Wie auch im aktiven Berufsleben sollte man auch hier darauf achten, nur so viel auszugeben, wie man letztlich zur Verfügung hat – jede Mehrentnahme birgt schließlich ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Peter Jobst
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema