ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2002Mangelnde Nachsorge bei Säugling: Arzt muss Land Schadenersatz zahlen

VARIA: Rechtsreport

Mangelnde Nachsorge bei Säugling: Arzt muss Land Schadenersatz zahlen

Dtsch Arztebl 2002; 99(44): A-2963 / B-2507 / C-2351

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LNSLNS Einem Universitätsprofessor wurde vorgeworfen, sich als Direktor der Kinderklinik nicht ausreichend um eine lückenlose ambulante Nachsorge von entlassenen Patienten gekümmert zu haben.
Die Eltern eines 1987 geborenen „Frühchens“ hatten das Krankenhaus wegen eines ärztlichen Behandlungsfehlers auf Schadenersatz verklagt. Das Oberlandesgericht Köln verurteilte das Land als Klinikträger 1995 zu Schadenersatzleistungen und Schmerzensgeld.
Das Land verlangte nun vom Arzt Schadenersatz und verwies auf das Urteil. Danach sei die Erblindung des Kindes darauf zurückzuführen, dass es nach der Entlassung aus der Klinik zu spät einem Augenarzt vorgestellt worden sei. Die Entlassung sei ohne die erforderliche Aufklärung erfolgt. Es sei aber unerlässlich, Patienten Verhaltensregeln zu Nachsorgeuntersuchungen zu geben und ihre Einhaltung zu kontrollieren. Aufgrund seiner Organisationsgewalt sei hierfür der Beklagte verantwortlich.
Diese Auffassung ist, so das Verwaltungsgericht Aachen, begründet. Der beklagte Arzt habe seine Organisationspflichten grob fahrlässig verletzt. Eltern Frühgeborener benötigten klare Anweisungen, um schwerste Gesundheitsschäden ihrer Kinder durch eine Nachsorge zu vermeiden. Die Entlassung von Säuglingen mit Gesundheitsschädigungen durch die Stationsärzte – selbst nach Rücksprache mit den Oberärzten – ohne schriftliche Information der Eltern über notwendige Nachuntersuchungen verletze die erforderliche Sorgfalt schwer. (Verwaltungsgericht Aachen, Urteil vom 11. April 2002, Az.: 1 K 1447/99) Be
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