ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2002Zu Besuch im Königreich: Eine andere Welt

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Zu Besuch im Königreich: Eine andere Welt

Dtsch Arztebl 2002; 99(44): A-2968 / B-2512 / C-2356

Hilf, Eric

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Die Briten sind schon ein lustiges Völkchen. Sie haben eine Königin, die schönsten Rasenflächen, den meisten Regen, ein merkwürdiges Gesundheitssystem und arbeiten im Krankenhaus überwiegend mit Schlips und Kragen. Ich habe von Mai bis Juni 2002 im Rahmen des von der EU gesponserten Austauschprogramms „HOPE Exchange 2002“ England besucht (HOPE = Hospitals of Europe). Ziel dieses Programms war es, Krankenhausmanagern die Möglichkeit zu bieten, europäische Krankenhäuser und ihre Besonderheiten kennen zu lernen. Zum anderen sollte die Möglichkeit geboten werden, ein europäisches Netzwerk von Krankenhausmanagern aufzubauen, um so den Erfahrungsaustausch zu fördern und die Qualität in den europäischen Krankenhäusern zu steigern. Die Teilnehmer sollten eher verschiedene Verwaltungsstrukturen kennen lernen als medizinisches Fachwissen vertiefen.
In London durfte ich ein Apartment in unmittelbarer Nachbarschaft von Robbie Williams und Kylie Minogue beziehen, was aber nicht darauf schließen sollte, dass mein Apartment den gleichen Wohnungsstandard aufwies. Die Preise in London waren wirklich prima: 8,50 Euro für eine Schachtel Zigaretten, 9 Euro für ein Burger-Menü bei McDonald’s. Na ja, ich wollte ja schon immer mal ein bisschen abnehmen . . .
Mit Anzug, Schirm und Aktenkoffer ging es dann zum ersten Treffen ins Krankenhaus, das Royal Brompton Hospital in London. Das Royal Brompton ist das Krankenhaus für Herz- und Lungenerkrankungen in England und führt Herz-Lungen-Transplantationen durch. 400 Betten. 2 500 Mitarbeiter. Jahresbudget: 250 (!) Millionen Euro.
Nachdem die erste Woche mit Finanzleuten des Royal Brompton Hospital’s verbracht worden war, ging es in der zweiten Woche auf die Stationen. Überrascht hat mich dort als Erstes das ausgesprochen „bunte“ Leben. Auf den Stationen tummeln sich Handwerker und Techniker in Zivil sowie Schwestern, Ärzte, Physiotherapeuten, Diätassistenten und Apotheker in den unterschiedlichsten Kitteln. Zudem gibt es Reinigungspersonal, Transportdienst, „Phlebotomisten“ (Hilfsassistenten, die nur Blut abnehmen), Stationssekretäre, Abteilungsmanager und viele mehr.
Die Stationen werden nicht einfach mit Buchstabenkürzeln versehen, sondern haben wohlklingende Namen wie Duke of York, Elizabeth oder King George. Obwohl teilweise der Putz von den Wänden bröckelt und Leitungen offen aus den Wänden ragen, war die technische Ausstattung der Stationen ausgezeichnet: schnurlose Telefone für die Stationen und Mitarbeiter, eine große Anzahl an PCs, PC-Systeme für die Röntgenbilder mit bis zu vier
Eric Hilf hospitierte in einem englischen Krankenhaus. Foto: privat
Eric Hilf hospitierte in einem englischen Krankenhaus. Foto: privat
Monitoren und moderne Patientenüberwachungssysteme.
Überzeugt hat mich der Aufgabenbereich der Krankenschwestern. Voraussetzung für den Beruf der Krankenschwester ist in England das Abitur. Daraufhin studieren die Schwesternschülerinnen an der gleichen Universität wie die Ärzte. Aufgrund des allgemeinen Ärztemangels ist der Verantwortungsbereich der Krankenschwester recht groß. Der Zeitaufwand der Ärzte für die Pflege-Dokumentation ist deutlich geringer als hierzulande, die Dokumentationssysteme sind abgespeckter und intelligenter, sodass mehr Zeit für die Pflege der Patienten zur Verfügung steht. Zudem werden auch vermehrt ärztliche Aufgaben, wie die Auskultation der Patienten, von den Schwestern übernommen. Allerdings gibt es in England auch einen Krankenschwesternmangel. Zur Lösung dieses Problems werden Anwerbungsversuche über zentrale Organisationen in Europa und Übersee unternommen. Deutsche Krankenschwestern besitzen in England übrigens einen ausgezeichneten Ruf. Eric Hilf
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