ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2002zu Aktien: Leises Klingeln

VARIA: Schlusspunkt

zu Aktien: Leises Klingeln

Dtsch Arztebl 2002; 99(44): [76]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Donnerwetter, der DAX hat Anfang Oktober mit 2 500 Indexpunkten ein erschreckend tiefes und jämmerliches Niveau erreicht. In den letzten Tagen jedoch setzte das Kursbarometer zu einer überraschend starken Gegenreaktion ein, bis Redaktionsschluss wurde die 3 000er-Marke locker überschritten.
Die Gilde der Experten sieht diese Aufholbewegung überwiegend lediglich als technische Reaktion. Die Rückschlaggefahren seien nach wie vor ziemlich groß, heißt es fast unisono. Die Begründungen sind durchaus gewichtig. Die unsäglichen Steuerbeschlüsse von Rot-Grün samt Beerdigung des Stabilitätspaktes, der weiter drohende Irak-Krieg, die lahmende Konjunktur, die völlig verunsicherten Anleger, all das sollte reichen, die Börsenkurse wieder zurückfallen zu lassen.
Sollte, muss aber nicht. Wird möglicherweise auch nicht. In der Wirtschaftspresse wird meines Erachtens ein wichtiger Tatbestand, der eine Trendwende klar einläuten könnte, völlig vernachlässigt. Erstens: Die dramatischen Kursverluste des ersten Halbjahres sind zu einem Großteil darauf zurückzuführen, dass die Versicherungen Aktien tonnenweise verkaufen mussten, um die Überschussbeteiligungen gewährleisten zu können.
Zweitens: Es gibt seit neuestem eine Absprache zwischen der Bankenaufsicht, der Versicherungswirtschaft und dem Wirtschaftsprüferverband, dass – verkürzt gesprochen – am Jahresende die Aktienbestände nicht abgeschrieben werden müssen, sondern es bei den Buchwerten bleiben darf. Das heißt nicht nur, dass die Assekuranz ab sofort nicht mehr Aktien verkaufen muss, sondern im Umkehrschluss vielmehr, dass sie jetzt sogar wieder kaufen wird.
Bekanntlich wird an der Börse zum Einstieg nicht geklingelt, wiewohl die meisten auch die Alarmglocken zum Ausstieg ebenso wenig wahrnehmen. Die Masse der Anleger liegt in aller Regel falsch, rennt steigenden Kursen hinterher und traut sich bei fallenden Kursen nicht, die Reißleine zu ziehen. Vor der Hacke ist es einem Bergmannspruch zufolge meistens schwarz.
Dennoch: Derzeit scheinen wir möglicherweise vor einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung zu stehen, die den DAX bis Jahresende durchaus bis 4 000 Indexpunkte tragen kann. Mit ein wenig Glück auch noch über diese Marke hinaus. Spinnt der? werden Sie jetzt vielleicht denken. Langjährige Leser wissen gleichwohl, dass ich mich ansonsten mit mutigen Aussagen sehr zurückhalte. Hat da nicht eben draußen jemand geläutet?
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